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Wie man Sch… in grünes Gold verwandelt und nebenbei die Welt rettet – Algen als CO2-Speicher

01.07.2021 3 Min 27

Wenn man mal das braune Wasser in einer Kläranlage gesehen hat, dann fragt man sich – wie kriegt man das wieder sauber? Normalerweise mit Bakterien, aber man kann auch mal was anderes testen, nämlich eine Alge zur Abwasserreinigung zu nutzen und das habe ich mit meinen Kollegen bei swb getan.

ein Haufen Goldbarren Foto: Steve Bidmead auf Pixabay

Eine Alge als grüner CO2-Speicher

eine Hand voll Algen

Es stellt sich raus, dass die fädige Grünalge Cladophora glomerata die Wasserqualität erheblich verbessern kann und sie hilft sogar dabei Phosphor, ein endliches Element, das für Leben auf dieser Erde unverzichtbar ist, aus dem Abwasser zurückzugewinnen. Cladophora kann mit Abwasser als Nährstoffquelle hervorragend wachsen und nebenbei das Wasser reinigen. Klingt gut, oder?

Wenn Cladophora wächst, nimmt sie eine Menge CO2 auf. Wie gut steht die Alge bei der CO2-Speicherung da, zum Beispiel im Vergleich zu Bäumen? Bei einer Fichte mit einer Höhe von 25m kann man von einer Speicherung von etwa 1.800 kg CO2 ausgehen.

Man kann das Baumalter schätzen und kommt bei dieser Gemeinen Fichte (Picea abies) auf ein Alter von ca. 44 Jahren (Quelle: baumsicht.de/alter abgerufen am 10.07.2020). Eine Fichte braucht also 44 Jahre, um 1,8t CO2 zu speichern. Zum Vergleich: das schafft unsere Algen-CO2-Speicherungsanlage in 2 Tagen (Maße der Algen-CO2-Speicherungsanlage: Breite * Länge * Höhe = 14m *10m *1,6m). Wir können also mit Hilfe dieser Alge CO2 aufnehmen und somit etwas für unser Klima tun. Man kann die Alge nun trocken und irgendwo einlagern, praktisch als grüner CO2 Speicher, aber das wäre Geldverschwendung.

Algen-Biogasgewinnung und Premiumprodukte aus Gärresten

Fazit: Unsere Alge ist ein vielseitiger, nachhaltiger Rohstoff und der bringt Geld, grünes Gold sozusagen.

Jetzt denken bestimmt einige Leser, was für eine Spinnerei – wenn das so toll ist, warum gibt es das dann noch nicht? Das Problem ist die Algenmenge, weil man kann ja nicht im Sommer draußen alle Cladophora-Algen einsammeln (die Alge verursacht in Europa übrigens riesige Algenblüten) und im Winter hat man dann kein Geschäft mehr, weil die Alge dann nicht wächst. Das funktioniert nicht, also bleibt nur die Zucht!

Für viele Firmen wären die Herstellungskosten bei einer Algenzucht zu hoch, denn die Alge braucht sehr viele Nährstoffe, Wasser, Strömung und viel Licht. Nährstoffe und Abwasser hat unser Konzern zu genüge und Strom auch. Also haben wir eine Algenzucht gestartet und wir haben Tests mit verschiedenen Nährstoffquellen durchgeführt und die Biogasgewinnung untersucht, etliche Testreihen über ein Jahr lang. Die Ergebnisse sind vielversprechend und nun fehlt als nächster Schritt noch das Finetuning und die Skalierung auf Industrieniveau.

Retten wir damit die Welt? Vielleicht ist das ein bisschen übertrieben, aber: wir gewinnen aus Scheiße grüne Energie und nachhaltige Rohstoffe, tun was fürs Klima und für sauberes Wasser und das nur mit der Hilfe einer Superalge. Und wer jetzt neugierig ist und das mal ausprobieren will – ihr seid ein bisschen spät dran, denn unsere Patentanmeldung läuft schon und ich werde berichten, wie es weitergeht 😉.

Viele Grüße,
  • Dr. Sarah Fretzer
Dr. Sarah  Fretzer
Dr. Sarah Fretzer
Expertin für Natur- und Artenschutz im Technischen Asset Management
Sarah ist promovierte Biologin und im EWE-Konzern zuständig für die Themen Arten- und Naturschutz bei den erneuerbaren Energien. Sie engagiert sich auch im Bereich Innovationen, hat z.B. ein Algenprojekt entwickelt, bei dem eine Grünalge zur Abwasserreinigung und Gewinnung von Biogas und Rohstoffen gezüchtet wird. In ihrer Freizeit geht sie gerne mit ihrer Familie und ihren drei Hunden spazieren oder sie betreibt Kampfsport und engagiert sich für den Tierschutz.
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Kommentare
2
Melanie Samsel 13:23 14.08.2022
Vielen Dank für den Artikel! Nachdem wir bei uns häufiger Kanalreinigungen durchführen mussten, suche ich aktuell nach Wegen, dies zu vermeiden. Daher ist es gut zu wissen, dass die Alge hier ganz nebenbei das Wasser reinigen kann. Ich werde das Thema mal bei unserem Abwasserunternehmen ansprechen. https://garvert-borken.de/
Gerd Bertholdt 08:01 24.07.2021
Verehrte Frau Dr. Fretzer,

mit Interesse habe ich Ihre Arbeit über Algen gelesen, einfach großartig!
Vielen Dank und beste Grüße.

Gerd Bertholdt
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