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Spaß an Veränderung – Klimaschutz ohne erhobenen Zeigefinger

Frank Glanert
14.07.2021 15
Graffiti an einer Wand Listen to the people Photo by ev on Unsplash

1972 – in dem Jahr in dem ich geboren wurde, fand die erste Konferenz der Vereinten Nationen „über die Umwelt des Menschen“ in Stockholm mit 113 Staaten statt. In den folgenden 20 Jahren danach bis zur ersten internationalen Klimakonferenz in Rio 1992 wurde kein weiteres Treffen dieser Art abgehalten. In diesem Jahr habe ich Abitur gemacht. In den vergangenen knapp 30 Jahren seitdem wurde viel verhandelt und tatsächlich verschiedene Maßnahmen zur Bewältigung der so genannten Klimakrise beschlossen. Die eigentlich eher einer Menschheitskrise gleicht. Weil die Menschen die Leid tragenden sein werden. Und wer kann heute ernsthaft behaupten, die komplexen Zusammenhänge zwischen internationaler Klimapolitik und -forschung einerseits und ökonomischen Herausforderungen und dem konkreten Handeln von Wirtschaftsunternehmen andererseits zu verstehen?

Nachhaltigkeit und Klimaschutz - was können Unternehmen und jeder Einzelne tun?

Zeitstrahl Entwicklung des Klimschutzes von 1972 bis 2030

Die hohe Komplexität stellt eine echte Barriere dar und entspricht häufig nicht der Lebensrealität der Menschen. Die Übersetzung in ganz konkrete, alltägliche Maßnahmen, die Verbindung zwischen Information – und zwar ohne erhobenen Zeigefinger – und nachvollziehbarer Transparenz ist gefragt. Und wird allzu oft nicht oder nur unzureichend bedient. Nachhaltigkeit und Klimaschutz sind vor allen Dingen auch kommunikative Herausforderungen. Für jeden einzeln ebenso wie für Unternehmen. Was können Unternehmen und jeder Einzelne also tun?

Kleine Schritte zum Erfolg – was uns Kommunikationspsychologie zum Klimaschutz verrät

Wir wissen heute aus der Kommunikationspsychologie, das kleine Schritte mit möglichst unmittelbarer Erfolgsbestätigung und der Möglichkeit sich sozial zu vernetzen, besonders erfolgversprechend sind. Soziale Medien bedienen unseren Wunsch nach Kontakt, Aufmerksamkeit und kleinen, unmittelbaren Erfolgserlebnissen, die wir förmlich spielerisch erreichen können. Die Likes unter einem Foto, die Kommentare zu einem Post auf einer beliebten Plattform - das alles fühlt sich im wahrsten Sinne des Wortes gut an.

Beim Thema Klima ist das häufig anders. Denn eigentlich wissen wir in der Regel ganz gut Bescheid darüber, dass das große, schwere Auto nicht nur mehr verbraucht als der Golf I aus den 70iger Jahren sondern an sich auch eine Art Auslaufmodell ist. Oder dass eine vegetarische Ernährungsweise nachhaltiger und auch besser fürs Klima wäre.

Schnell ist dann jedoch von Verzicht die Rede und die konkrete Faktenlage wird unübersichtlich. Sind Sojaprodukte wirklich nachhaltig? Sind in Elektroautos nicht diese „seltenen Erden“? Am Ende machen wir lieber weiter wie bisher, anstatt uns von irgendwem reinreden zu lassen. Denn noch besser als spielerische Vernetzung und Bestätigung ist Selbstbestimmung. Und die ist häufig genug dadurch erreichbar, dass man zunächst einmal nichts ändert.

Selbstbestimmt und gut informiert mit Codyo, der Klima-App von EWE

Wie bekommen wir es also hin, dass der erhobene Zeigefinger in der Tasche bleibt und die Information trotzdem beim Gegenüber - also zum Beispiel auch beim Mitarbeiter eines Unternehmens - ankommt? Die Antwort ist bestechend einfach: sie muss leicht verfügbar sein und derjenige für den sie ist, muss sie sich selbst holen.

In den Anfängen von Codyo, der Klima-App von EWE, haben wir eine ganze Reihe Menschen gefragt, wie sie sich im Alltag fortbewegen und was sie vielleicht gerne daran ändern würden; auch welche Herausforderungen damit verbunden sind. Schnell kam heraus, dass persönliche Mobilität ein Lebensbereich ist, der wie viele andere von äußeren Rahmenbedingungen dominiert wird. Arbeitszeiten mit Präsenzpflicht, Kindergarten und Schule, Großeinkauf.

Der Wunsch hier etwas zu ändern, scheitert häufig an ganz lebenspraktischen Herausforderungen. Und am Mangel über die Kenntnis von Alternativen – an Informationen also. Schnell wurde klar, dass der Wunsch sich hier nachhaltig zu verhalten auch auf viele andere Bereiche übertragbar ist. Und das die Menschen sich Orientierung im Sinne von Handlungsempfehlungen und Informationen wünschen. Und zwar solche, die sie sich ohne weiteres selbst erschließen können, um andere Entscheidungen treffen zu können.

Diese Antworten liefert heute Codyo: wieviel CO2 spare ich ein, wenn ich mit dem Rad anstatt mit dem Auto zum Bäcker fahre? Ist es besser vegetarisch zu essen oder kalt zu duschen? Schnell ist der Spieltrieb geweckt oder eine persönliche Challenge gestartet.

Nachhaltigkeit und Kommunikation: Klimaschutz wird Entscheidungskriterium

Viele Kunden glauben nicht an die Nachhaltigkeitsbekenntnisse von Unternehmen. Und weil Nachhaltigkeit vor allen Dingen auch ein Kommunikationsthema ist, ist das ein echtes Problem. Es geht um Vertrauen - zum Beispiel auch in das eigene Unternehmen und dessen Ziele im Bereich Nachhaltigkeit und Klimaschutz.

Nirgendwo sonst wird das Spannungsfeld zwischen weitreichenden Klimaschutzzielen und berechtigten wirtschaftlichen Interessen so deutlich wie bei dem Unternehmen, für das wir selbst arbeiten. Natürlich wollen wir, dass das Unternehmen auch in Zukunft Geld verdient, wir unseren Arbeitsplatz behalten und damit auch für uns selbst eine sichere und vorhersehbare Zukunftsperspektive haben. Aber ist das mit weitreichenden Nachhaltigkeitszielen und zum Beispiel massiven CO2 Reduktionszielen vereinbar?

Ein Unternehmen muss die Chancen des Wandels und die Auswirkungen auf das Geschäftsmodell und den Ertrag gegeneinander abwägen. Aus dem Klimawandel ergeben sich eine Reihe unternehmerischer Risiken, die es es zu kalkulieren gilt. Diese hängen mit unmittelbaren Kosten – z.B. durch eine CO2-Bepreisung oder Kosten für Zertifikate – zusammen. Und vor allen Dingen auch mit regulatorischen und rechtlichen Fragen bis hin zu Wettbewerb und Reputation.

Nachhaltigkeit und Klimaschutz scheinen zunehmend wichtige Entscheidungskriterien zu werden. Nicht nur für Investoren, sondern vor allen Dingen auch für Kunden. Die Dekarbonisierung der Wirtschaft erscheint als fest vereinbartes Zielbild.

Unternehmen und ihre Mitarbeiter – Verhaltensänderung macht Spaß

Das Greenhouse Gas Protocol, sieht die Betrachtung der Emissionen aus dem Unternehmen in drei Scopes vor. Während Scope 1 (direkte Emissionen) und Scope 2 (indirekte Emissionen) mit einiger Mühe, aber dennoch in der Regel recht konkret erfasst werden können, gilt dies für die Scope 3 Emissionen nicht. Dabei handelt es sich um die Emissionen, die zum Beispiel durch den täglichen Weg zur Arbeit oder Dienstreisen, die Entsorgung oder die Nutzung der Produkte des Unternehmens durch den Kunden ergeben.

Während man sich in Scope 1 und 2 bereits teilweise mit Richtwerten hilft, stößt man in Scope 3 an valide Grenzen. Wie und mit welchem Verkehrsmittel sich ein Mitarbeiter zur Arbeit bewegt, kann man ggf. durch Befragungen herausfinden. Ob und wie sich das Verhalten ändert ist auf diese Art und Weise nur sehr schwer bis gar nicht feststellbar.

Genau hier setzen wir mit Codyo an: wenn Verhaltensänderung und Datenbereitstellung Spaß macht und auch hier ohne den schon erwähnten erhobenen Zeigefinger stattfindet, kann man die Daten aus der App hervorragend nutzen, um sie in der Auswertung zu berücksichtigen. Mehr noch: die Glaubwürdigkeit und das echte Bemühen für mehr Nachhaltigkeit wird unterstrichen, die intrinsische Motivation des Einzelnen adressiert und positive Effekte durch Verhaltensänderungen unmittelbar sichtbar.

Frank Glanert
Frank Glanert
Codyo Klima-App, Business Development
Frank ist ausgebildeter Zimmermann und Ingenieur. Er ist seit über 20 Jahren in der Energiewirtschaft und Regionalentwicklung tätig. Nachhaltigkeit und Klimaschutz ziehen sich wie ein roter Faden durch seine berufliche Laufbahn. Ebenso wie Beteiligung und Kommunikation. Neben dem nachhaltigen Planen und Bauen begeistert Frank sich für alles rund ums Fahrrad. Er hat ein eigenes Blog zum Thema Radverkehr-, kultur und -erlebnis. Die Frage, welche Rolle Radverkehr in nachhaltigen und lebenswerten Städten und Regionen spielt, treibt ihn besonders um.
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Kommentare
2  Kommentar(e) zu:  Spaß an Veränderung – Klimaschutz ohne erhobenen Zeigefinger
Frank 18:35 29.07.2021
Moin Hilke, ich glaube mittlerweile fest daran, dass jeder Einzelne in Zukunft sehr viel genauer hinschaut, was wieviel Emissionen bringt. Und das darüber auch die Erkenntnis steigt, wie die großen Zusammenhänge sind. Heute ist Earth-Overshoot-Day. Wenn alle so leben wir wir in D, bräuchten wir dieses Jahr schon 2,9 "Erden". Im globalen Durchschnitt immer noch 1,7. Wenn die Hälfte aller Wege von einem Tag auf den anderen aufs Rad verlagert würden, verschiebt sich das Datum des Overshoot-Day um 13 Tage. Bei einer Halbierung des Fleischkonsums sind es noch einmal 17 Tage. Jeder Einzelne kann also etwas tun. Und dennoch ist persönliches Verhalten nicht alles und das wird einem bewusst, wenn man sich intensiv damit auseinander setzt.
Hilke Kubisch 16:11 22.07.2021
Moin Frank, ich finde hier sprichst Du einen mächtigen Punkt an - macht es Spaß, wird es zur Challenge oder ist es einfach inhaltlich spannend, können wir gerade im Kleinen viel erreichen - und vielleicht entstehen so sogar exportfähige (günstige) Innovationen, die Menschen in vielen Ecken der Welt in ihrem Alltag nutzen könnten.

Vielen Dank für diesen Blickwinkel
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