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Klimagerechtigkeit einfach erklärt

31.03.2022 6 Min 42

Der Begriff Klimagerechtigkeit taucht immer häufiger im Zusammenhang mit Klimaschutz und der Bekämpfung der Folgen des Klimawandels auf. Doch was bedeutet Klimagerechtigkeit, warum betrifft sie uns in Deutschland in besonderem Maße und wie kann sie umgesetzt werden?

Kleiner Junge mit rotem Cape auf einer grünen Wise der seinen Arm in die Luft streckt

Was ist Klimagerechtigkeit?

Das Konzept der Klimagerechtigkeit fordert, dass die Länder, die die größte Verantwortung für den Klimawandel und den Ausstoß von Treibhausgasen haben, am meisten in den Klimaschutz und die Abmilderung der Folgen investieren sollten. Klimagerechtigkeit beruht somit auf dem Verursacherprinzip: Länder, die am meisten Emissionen verursachen und den Klimawandel begünstigen, sollten für die Folgen – auch in anderen Ländern und Regionen der Welt – aufkommen. 

Dass dies eine Frage von Gerechtigkeit und Fairness ist, liegt daran, dass die Auswirkungen der Erderwärmung in einigen Ländern sehr viel drastischer zu spüren sind als in anderen. Die Umweltorganisation Germanwatch untersucht dazu in ihrem jährlichen Globalen Klima-Risiko Index (KRI), welche Länder am stärksten von Wetterextremen wie Hitzewellen, Überschwemmungen oder Stürmen betroffen sind. Denn: Experten zufolge steigt die Zahl ungewöhnlicher und schwer vorhersehbarer Wetterextreme infolge der Erderwärmung. 

Welche Länder betrifft der Klimawandel?

© Germanwatch und Munich Re NatCatSERVICE Bild einer eingefärbten Landkarte mit dem Globalen Risiko Index in den Jahren 2000 bis 2019

Der Globale Klima-Risiko Index 2021 zeigt, dass die Folgen des Klimawandels vor dem Hintergrund der Gesamtzahl an Ereignissen, der jährlichen Todesopfer, der Todesopfer pro 100.000 Einwohner und Schäden pro Einheit des Bruttoinlandsproduktes überwiegend in Ländern des Globalen Südens zu spüren sind. Die fünf im Zeitraum zwischen 2000 und 2019 am meisten betroffenen Länder sind Puerto Rico, Myanmar, Haiti, Philippinen und Mosambik. Es besteht somit ein großes Ungleichgewicht zwischen Ländern des Globalen Nordens und des Globalen Südens.

Auch in Bezug auf die betroffenen Menschen besteht eine Ungleichheit: In ärmeren Ländern leiden vor allem ohnehin benachteiligte Bevölkerungsgruppen wie indigene Gemeinschaften besonders unter Naturkatastrophen und Veränderungen ihrer Umwelt. Steigen die Meeresspiegel und kommt es zu Dürre, Überschwemmungen und Stürmen trifft dies meist die Landbevölkerung, die an der Küste oder auf dem Land von der Bewirtschaftung der Erde und des Wassers lebt. In vielen Ländern zählen dazu indigene Bevölkerungsgruppen, die ohnehin in Marginalisierung und Armut leben. Naturkatastrophen zerstören für Bauern und die Landbevölkerung nicht nur den Lebensraum, sondern auch ihre Lebensgrundlage: Verdorrtes Getreide, überschwemmte Felder oder entwurzelte Pflanzen zerstören die Ernte und sorgen dafür, dass die Menschen langfristig ihre Arbeit und Lebensgrundlage verlieren. 

Welche Länder verursachen den Klimawandel?

© EDGAR 2021 - Emissions Database for Gloabl Atmospheric Research Weltkarte mit den Ländern, die den Klimawandel verursachen

Schaut man sich jedoch an, welche Länder hauptverantwortlich für den Ausstoß von Treibhausgasen sind, ergibt sich ein anderes Bild: Im Jahre 2020 waren laut Daten des Statistischen Bundesamts die G-20-Staaten für rund 80 Prozent der globalen CO2-Emissionen verantwortlich. Die größten Emittenten der G20-Länder waren China, die USA und die EU. 

Die Länder, die am stärksten unter der Erderwärmung leiden, sind jedoch verhältnismäßig wenig an ihrer Entstehung beteiligt. Die fünf laut dem Globalen Klima-Risiko Index am meisten vom Klimawandel betroffenen Länder zeichnen im Jahre 2020 nur für einen Bruchteil der globalen CO2-Emissionen verantwortlich (Emissions Database for Global Atmospheric Research 2021):

  • Puerto Rico: 3,96 Millionen Tonnen CO2 – 0,01 %
  • Myanmar: 37,71 Millionen Tonnen CO2 – 0,1 %
  • Haiti: 3,01 Millionen Tonnen CO2 – 0,01 %
  • Philippinen: 139,16 Millionen Tonnen CO2 – 0,39 %
  • Mosambik: 9,94 Millionen Tonnen CO2 – 0,03 %
  • Deutschland: 636,88 Millionen Tonnen CO2 – 1,77 %
  • EU-27: 2.621,85 Millionen Tonnen CO2 – 7,29 %
  • China: 11.680,42 Millionen Tonnen CO2 – 32,48 %

Angesichts dieser vergleichsweise geringfügigen CO2-Emissionen leiden arme Länder somit unverhältnismäßig stark unter den Folgen der Erderwärmung. 

Worin besteht die Ungerechtigkeit?

Dass die Länder, die am wenigsten Treibhausgase ausstoßen, dennoch am meisten und direktesten von den Folgen des Klimawandels betroffen sind, ist objektiv betrachtet ungerecht. Zwar zeigt der Globale Klima-Risiko Index, dass auch Deutschland (Platz 18), Frankreich (Platz 27), Australien (Platz 31) oder Russland (Platz 32) einem Risiko für Unwetterereignisse ausgesetzt sind – der wichtige Unterschied liegt jedoch im Reichtum und technologischen Fortschritt dieser Länder.

Während große und reiche Industriestaaten es sich leisten können, Klimapolitik zu betreiben und in Schutzmaßnahmen zu investieren – beispielsweise Deiche und schwimmende Städte zu bauen und sensible Frühwarnsysteme zu installieren – sowie nach einer Katastrophe Gelder in Milliardenhöhe in den Wiederaufbau zu investieren, ist dies ärmeren Ländern des Globalen Südens wie Puerto Rico, Myanmar oder Haiti nicht im gleichen Maße möglich.

Diese Ungerechtigkeit kommt noch deutlicher zum Tragen, wenn man die versorgungstechnische Infrastruktur in ausgewählten Ländern vergleicht. In Myanmar (Platz 2 des KRI) haben 68,4 % der Menschen Zugang zu Elektrizität, in ländlichen Gebieten allerdings nur 57,5 %. Bei den Zahlen für Haiti (Platz 3 des KRI) und Myanmar (Platz 5 des KRI) wird die Ungleichheit noch deutlicher: In Haiti haben 45,5 % der allgemeinen Bevölkerung und lediglich 1 % der Landbevölkerung Zugang zu Elektrizität. In Myanmar sind es 29,6 % im ganzen Land und nur 4,9 % in ländlichen Gebieten.

Während im Globalen Norden also darüber diskutiert wird, wie jeder einzelne seinen Stromverbrauch senken kann, haben in vielen Ländern des Globalen Süden nicht einmal alle Menschen Zugang zu Elektrizität und leiden dennoch unter den Folgen des CO2-Ausstoßes der Industrieländer.

Wie kann Klimagerechtigkeit hergestellt werden?

Damit dieser Ungleichheit Rechnung getragen wird, braucht es Klimagerechtigkeit und eine Klimapolitik, die auch nach außen schaut. Die Länder, die am meisten Treibhausgase ausstoßen, sollten die Länder, die am meisten vom Klimawandel bedroht sind, unterstützen. 

Folgende Maßnahmen können dazu beitragen, Klimagerechtigkeit herzustellen:

  • Bereitstellung finanzieller Mittel
  • Wissenschaftlicher Austausch und Technologietransfer
  • Hilfe bei Präventions- und Schutzmaßnahmen
  • Förderung von Umwelt-, Natur- und Artenschutz
  • Hilfe beim Wiederaufbau nach Naturkatastrophen
  • Durchführung von Klimaschutzmaßnahmen
  • Unterstützung bei Umstieg auf erneuerbare Energien

Klimagerechtigkeit und Klimaschutz betreffen viele Bereiche und ihre Maßnahmen können daher nicht einseitig sein. Die Industrieländer als Hauptverantwortliche des Klimawandels sollten besonders betroffene Länder des Globalen Südens sowohl mit finanziellen Mitteln als auch mit Technologien, Gütern und Wissen unterstützen.

Konkret sollte in die Prävention von Naturkatastrophen, Artensterben und anderen Folgen des Klimawandels investiert und es sollten geeignete Schutzmaßnahmen und Warnsysteme etabliert werden. Dies führt dazu, dass katastrophale Ereignisse besser verhindert werden können, die sich ansonsten auch negativ auf die Wirtschaft und die sozialen Verhältnisse vor Ort auswirken können. Zu den präventiven Maßnahmen gehört auch der Natur- und Artenschutz in den betroffenen Ländern, damit auch die Vegetation und die Tierwelt weniger Bedrohungen ausgesetzt sind und erhalten bleiben.

Kommt es dennoch zu Überschwemmungen, Stürmen oder Dürreperioden, sollten die Industrieländer als Partner beim Wiederaufbau zerstörter Regionen und der Kompensation von Ernteausfällen unterstützen und die nötige humanitäre Hilfe leisten. 

Des Weiteren benötigen die betroffenen Länder Unterstützung bei der Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen. Auch wenn die unter den Folgen des Klimawandels leidenden Staaten im Vergleich zu großen Industrienationen weniger Treibhausgase ausstoßen, kann dort ein großer Unterschied gemacht werden. Viele Staaten sind derzeit noch von fossilen Brennstoffen abhängig und könnten durch materielle und technologische Unterstützung beim Umstieg auf erneuerbare Energie deutlich zum globalen Klimaschutz beitragen. 

Nicht zuletzt bedeutet Klimagerechtigkeit auch soziale Gerechtigkeit: Investitionen in Armutsbekämpfung, Bildung und faire Arbeitsmöglichkeiten können in armen Ländern den Lebensstandard insbesondere benachteiligter Bevölkerungsgruppen erhöhen, die Lebensgrundlage der Menschen sichern und ihnen im kleineren Rahmen helfen, sich besser gegen die Folgen des Klimawandels und extreme Wetterereignisse zu wappnen.  

Viele Grüße,
  • Tammo Gerdes
Tammo Gerdes
Tammo Gerdes
Inhouse Coach
Tammo Gerdes ist als Senior Manager und Inhouse-Coach immer wieder in neuen Projekten und mit den unterschiedlichsten Menschen unterwegs. Angetrieben durch ein großes Maß an Neugierde und mit viel Spaß an Zukunftsthemen, versucht er seinen Teil zur Verbesserung der (Um-)Welt zu leisten.
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