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Pandemie und Krieg in Europa − war's das mit dem Klimaschutz? 

19.04.2022 3 Min 27

In der Überschrift eines Artikels der WELT aus dem Juni 2019 wurde der Nobelpreisträger Joe Stiglitz mit den Worten „Der Klimawandel ist unser dritter Weltkrieg“ zitiert. Als ich diesen Artikel gelesen habe, konnte ich dieser drastischen Formulierung nur zustimmen. Die langfristigen Auswirkungen eines ungebremsten Klimawandels werden, nach allem was die Wissenschaft heute weiß, ähnlich verheerend in ihren Auswirkungen sein. Der Kampf gegen den Klimawandel erfordert vergleichbare Anstrengungen und Maßnahmen, wie die Verteidigung unserer Freiheit. Nun war 2019 aber vor der Corona-Pandemie und vor dem fürchterlichen Krieg in der Ukraine. Diese dramatischen Geschehnisse haben den Klimawandel für viele von uns ein Stück weit in den Hintergrund gedrängt. Manch einer sieht sich bestätigt in seiner Ansicht, dass Klimaschutz ein Wohlstandsphänomen ist, das wir uns bald nicht mehr leisten können. Aber stimmt das eigentlich? Was hat das eine mit dem anderen zu tun?

Windkraftanalgen und Solaranlagen vor einem dunklen Sonnenuntergang

Die Abhängigkeit und der Kampf um Ressourcen

Positiv überrascht hat mich eine Aussage von Christian Lindner im deutschen Bundestag: „Erneuerbare Energien sind Freiheitsenergien“ sagte er dort zur Abhängigkeit von russischen Energieimporten. Aus meiner Sicht hat er damit voll ins Schwarze getroffen, denn geostrategische Konflikte haben sehr viel mit Ressourcenverteilung und Klimawandel zu tun.

Bisher ist die Welt aufgeteilt in wohlhabende Industrienationen mit einem gigantischen Hunger nach fossilen Energieträgern, Ländern mit großen Rohstoffvorkommen wie Russland oder Saudi-Arabien und armen Entwicklungsländern, die nichts von beidem haben. Eine wesentliche Ursache für Konflikte war schon immer der Kampf um Ressourcen. Hitler wollte Russland nicht nur unterwerfen, um „Lebensraum“ zu gewinnen, er hatte es vor allem auch auf die Öl, Kohle und Gasvorkommen abgesehen. Die Irakkriege wurden vor allem geführt, um dem Westen den Zugriff auf die Ölreserven im Nahen Osten zu sichern. Und der Überfall Russlands auf die Ukraine? Auch dort geht es nicht zuletzt auch um den Zugriff auf die Erdgasvorkommen im Süden des Landes. Deutschland muss jetzt schmerzhaft erkennen, dass die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern zu einer politischen Erpressbarkeit führt. Ca. 50% der Steinkohleimporte, 35% der Erdölimport und 55% der Erdgasimporte kamen im vergangenen Jahr aus Russland. Russland nutzt diese Abhängigkeit leider sehr geschickt aus.

Ein weiterer, tieferliegender Aspekt unseres Hungers nach fossilen Energieträgern und des dadurch verursachten Klimawandels sind zunehmende Konflikte und Flüchtlingsbewegungen in den vom Klimawandel am härtesten betroffenen Regionen unserer Welt. Es gibt wissenschaftliche Untersuchungen, die einen eindeutigen Zusammenhang zwischen Radikalisierung und Konflikten im nahen Osten und dem Klimawandel zeigen. Ein wesentlicher Mechanismus ist wohl, das zunehmende Dürren zu einer Landflucht geführt haben. Wo Landwirtschaft nicht mehr möglich ist, suchen die Menschen Arbeit und Zuflucht in den Städten. Arbeitslosigkeit und Armut sind dort der Nährboden für eine Radikalisierung und zunehmende Gewaltbereitschaft.

Erneuerbare Energien als Lösung

Der einzige Ausweg aus dieser Spirale von Umweltzerstörung, Ungleichverteilung und zunehmender Gewalt ist der weltweite Ausbau erneuerbarer Energien. Für Sonne und Wind wird niemand in den Krieg ziehen müssen, beide Ressourcen sind auf der Welt im Überfluss vorhanden. Umso mehr sich Länder wie Deutschland unabhängig von Energieimporten machen, desto weniger müssen sie in ihrer Außenpolitik Rücksicht auf wirtschaftliche Interessen nehmen. Wind und Sonne stehen allen Menschen zur Verfügung, sie eignen sich nicht für Spekulationen und Erpressung. Sie zerstören nicht das Klima und damit die Welt, in die wir unsere Kinder setzen. Jawohl, Christian Lindner hat Recht – Erneuerbare Energien sind Freiheitsenergien!

Viele Grüße,
  • Dr. Enno Wieben
Dr. Enno Wieben
Dr. Enno Wieben
Entwicklungsleiter Energiesysteme
Enno ist promovierter Ingenieur aus Friesland und im EWE-Konzern Vordenker für klimaneutrale Energiesysteme der nächsten Generation. Privat fährt er mit seiner Familie mit dem Elektrowagen klimaneutral in den Urlaub, aber auch mit dem Golf I zum Fischbrötchen-Essen an den Strand.
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