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Warme Sommer gab es immer schon

26.04.2022 4 Min 26

Um das Phänomen Klimawandel und die daraus resultierenden Herausforderungen an verstärkten Klimaschutz kreist nicht nur der öffentliche Diskurs: Nicht selten komme ich auch in persönlichen Begegnungen an einen Punkt, an dem politische und technische, aber durchaus auch moralische Fragen zu kontroversen, emotional aufgeladenen Gesprächen führen. Und das ist gut so, denn nur durch eine fundierte Auseinandersetzung mit den großen Fragen unserer Zeit kommen wir als Gesellschaft voran. Besonders häufig gehört: „Wir haben auch schon in den 70ern im März im Bikini im Garten gesessen. Warme Jahre gab es immer.“ Oder: „Soll sich doch erstmal China bewegen. Der Einzelne hier in Deutschland kann doch nichts ausrichten.“  

Foto aus dem Klima-Daten-Garten in Oldenburg © Michel Iffländer

Ein spannender Ort, um eine Diskussion zu beginnen oder zu vertiefen, ist in Oldenburg der Klima-Daten-Garten. Zentral zwischen Pferdemarkt und Hauptbahnhof gelegen, lädt er auf gut 300 Quadratmetern mit Infowänden und interaktiven Exponaten zu einem kurzen Stopp im Alltag ein. Eingebettet ist die kleine Ausstellung in einen naturnahen, mit einfachen Mitteln gestalteter Garten. Sitzgelegenheiten aus Sandstein- und Holzblöcken laden zum Verweilen ein. Ein toller Ort also, um sich mit Daten und Fakten rund um das Thema Klimawandel auseinanderzusetzen – ob in der Mittagspause oder beim Warten auf den nächsten Zug. Drei typische Themen, die mir immer wieder begegnen und im Klima-Daten-Garten aufgegriffen werden:  

1. „Warme Sommer gab es immer schon“

Jeder kennt diese Aussagen: „Früher gab es auch schon heiße Jahre!“ oder „Die Sommer waren auch schon mal wärmer!“ Damit gemeint ist: So gravierend und vor allen Dingen so rasant wie von der Wissenschaft beschrieben wird der Klimawandel schon nicht sein. Und natürlich ist es so, dass es früher überdurchschnittlich warme Jahre gab und dass wir auch nach 2020 kalte Jahre erleben. Aber blickt man auf das große Ganze, ist eine eindeutige Entwicklung zu sehen. Direkt am Eingang des Klima-Daten-Gartens zeigt eine meterlange Wand, wie es in den letzten 140 Jahren um die Durchschnittstemperaturen in Niedersachsen bestellt war. Die „Warming Stripes“, eine Erfindung des britischen Klimatologen Ed Hawkins, zeigen schon im Vorbeigehen: Wir sehen immer häufiger rot – und das heißt, dass wir zuletzt sehr viele überdurchschnittlich warme Jahre erlebt haben.    

2 „CO2 fällt auch beim Bau von Windrädern an“

Auch das stimmt natürlich. Aber schätzen wir die Relationen richtig ein, wenn wir Energieträger miteinander vergleichen? Vielleicht würde mancher Skeptiker verstummen, wenn er sein tägliches Workout an der CO2-Waage im Klima-Daten-Garten absolvieren und dort „Treibhausgase stemmen“ würde. Das Exponat stellt nämlich ein Rechenexempel an. Betrachtet wird der tägliche Stromverbrauch in ganz Deutschland inklusive aller Sektoren. Verteilt man diesen Stromverbrauch auf alle Bundesbürger, kommt man auf einen Wert von rund 20 kWh pro Kopf pro Tag. Erzeugt man diese Menge an Strom nur mit Windkraft, entstehen dabei 200 Gramm CO2. Setzt man stattdessen auf Braunkohle, kommen mehr als 21 kg zustande. Dass die Verstromung von Kohle massiv zur Erwärmung des Klimas beiträgt, erfahren Besucherinnen und Besucher also recht eindrücklich: Wer viele fossile Tage hintereinander bewältigt, kommt ordentlich ins Schwitzen – im übertragenen Sinne geht es unserer Erde ähnlich. Was bleibt hängen? Der Windausbau macht Sinn! 

3. „Als Einzelperson kann ich sowie nichts ausrichten“

© Michel Iffländer Foto von einem Drehrad mit TIpps zum Klimaschutz aus dem Klima-Daten-Garten in Oldenburg

Dieser Gedanke ist auch mir nicht fremd. Was nutzt es, wenn ich meine Familie zu einer vegetarischen Ernährung bringe, auf Flugreisen verzichte und rein elektrisch fahre? Angesichts der Hebel, die in einem systematischen Umbau des globalen Systems stecken, scheinen das nur Tropfen auf dem heißen Stein zu sein. Und trotzdem: Jede und jeder einzelne Deutsche erzeugt ungefähr zehn Tonnen CO2 im Jahr. Ein massiver Wert und es liegt an uns, diesen Durchschnitt so schnell wie möglich zu senken.

Wie das gehen kann? Der Klima-Daten-Garten hält die „Eine-Tonne-Challenge“ in Form eines Glücksrades für seine Besucherinnen und Besucher bereit. Einmal daran gedreht und schon liefert das Exponat einen Vorschlag für eine massive Einsparung in Höhe von einer Tonne CO2. Deutlich wird: Wir haben viele Möglichkeiten etwas an unserem Fußabdruck zu verändern. Und: Es gibt sowohl Maßnahmen, die für mich persönlich gut zu realisieren sind – und andere, die ich mir zumindest momentan kaum vorstellen kann. Der Verzicht auf einen einzigen Mittelstreckenflug, etwa von Bremen nach Athen oder Istanbul und zurück, bringt so viel wie der Verzicht auf 900 heiße Duschen. Wo die Umstellung leichter fällt? Das muss wohl jeder für sich entscheiden.   

Interesse geweckt?

Lageplan des Klima-Daten-Garten in Oldenburg

Über ein paar Klima-Daten habe ich hier geschrieben, aber im Garten gibt es natürlich noch mehr zu entdecken. Wenn du Lust hast vorbeizuschauen: Die Skizze unten zeigt dir, wo du fündig wirst.

Gibt es typische Klima-Diskussion, die du immer wieder führst? Wir freuen uns über Kommentare und Ideen für neue Daten, die wir im Klima-Garten noch ergänzen können!

Viele Grüße,
  • Irina Wolk
Irina Wolk
Irina Wolk
Leiterin Kommunikationsstrategie und Evaluation
Irina ist Volkswirtin und Germanistin – öffentliche Diskurse über gesellschaftlich bedeutsame Themen wie den Klimawandel interessieren sie seit jeher. Wie wir im Kleinen und im Großen noch schneller in Bewegung kommen können, beschäftigt Irina nicht nur bei EWE: Auch in ihrer Familie geht es häufig um nachhaltige Entscheidungen, zum Beispiel für weniger Würstchen im Kühlschrank und mehr Urlaub an der Nordsee.
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