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Atempause fürs Klima − gibt es eine positive Seite der Pandemie? (1/2)

10.05.2022 6 Min 18

Die Corona-Pandemie beschäftigt uns alle nach wie vor. Wie entwickelt sich das Infektionsgeschehen und droht im Herbst eine vierte Welle? Politische Akteure und Wissenschaftler ringen um Lösungen und ein effektives Krisenmanagement. In den letzten zwei Jahren gab es viele Einschnitte in unser tägliches Leben. Sei es das Arbeiten aus dem Home Office, ein anderes Einkaufsverhalten oder das Reduzieren von Kontakten. Jedoch haben all diese Veränderung einem wichtigen Punkt geholfen – dem Klima. Doch ist das wirklich so? Konnte das Klima in den letzten Jahren von der Pandemie profitieren? Und falls ja, wie macht sich diese Entwicklung bemerkbar? Ich habe mir diese Fragen auch gestellt und mich auf die Suche nach Informationen gemacht. Du willst Antworten auf diese Fragen? Sehr gut! Aber zu Beginn schauen wir einmal gemeinsam auf den 22. März 2020.

Foto von einem Aufsteller mit der Aufschrift "Closed Covid-19"

Der Lockdown − Zwangspause für eine ganze Nation

Am 16. März beschlossen, am 22. März in Kraft getreten: der erste Lockdown in der Bundesrepublik wird umgesetzt. Beinahe alle Bereiche unseres täglichen Lebens kamen zum Erliegen. Die Schulen wurden geschlossen, die Gastronomie durfte keine Gäste empfangen, die Innenstädte und Straßen erinnerten an Geisterstädte. Wir alle mussten uns an bisher noch nie da gewesene Einschränkungen unserer Freiheit gewöhnen. Auch die Arbeitswelt wurde durch den ersten Shutdown auf den Kopf gestellt. Innerhalb kürzester Zeit wechselten zig tausende Menschen aus dem normalen Büroalltag ins Home Office, bei EWE alleine fast die Hälfte aller Mitarbeitenden. Hierbei fallen wahrscheinlich jedem von uns diverse Punkte ein, die dem Klima in den letzten Jahren geholfen haben. Der erste Lockdown dauerte bis zum 04. Mai an, im Herbst 2020 folge ein erneuter Lockdown.

Wenn gleich die Umstellungen in der Pandemie anfangs sicherlich nicht einfach waren (ich kann mir nicht vorstellen, welche Belastung Home Office und Home Schooling in Kombination mit sich gebracht haben), hat die Pandemie hier sicherlich auch den einen oder anderen Prozess in der Arbeitswelt als auch im persönlichen Verhalten beschleunigt. Schauen wir also jetzt auf konkrete Zahlen und Entwicklungen.

Der Lockdown als Bremse für die Emission

Unterschiedliche Statistiken haben sich in den letzten Wochen und Monaten mit Treibhausgasemissionen und deren Ausstoß beschäftigt. In einer Studie des Umweltbundesamts wurde ermittelt, dass im Vergleich zum Jahr 2019 innerhalb des ersten Corona-Jahres 2020 rund 8,7% weniger Emissionen ausgestoßen wurden (Umweltbundesamt, 2021). Einen ähnlichen Rückgang gab es innerhalb der letzten Jahrzehnte nur zwischen den Jahren 2008 und 2009. Einer der Gründe war hier sicherlich die Weltwirtschaftskrise, in der viele Unternehmen in eine Insolvenz gehen mussten. Gleichzeitig wurde damals die weltweite Produktion massiv gedrosselt und hohe Preise belasteten die Situationen der Verbraucher.

Eine weitere spannende Studie wurde durch den Carbon Monitor im September 2020 erhoben. Dabei geht es um die Veränderungen der CO2-Emissionen in Deutschland und der Welt, geteilt nach den verursachenden Sektoren. Schauen wir am besten auf die folgende Grafik:

Grafik zu den Veränderungen der CO2-Emissionen nach Sektoren in 2020

Schnell lässt sich erkennen, dass in den Sektoren Energie und Industrie am meisten Kohlenstoffdioxid eingespart wurde. Da die Erhebung der Informationen im September 2020 erfolgte, spiegelt sich in den Einsparungen auch der bereits erwähnte Lockdown wider. Durch den umfassenden Stillstand in Deutschland und der Welt kam es gerade im produzierenden Gewerbe zu stehenden Fließbändern. Einer der Gründe für diese Auswirkung ist eine stark vernetzte Globalisierung innerhalb der Arbeitsprozesse unterschiedlicher Wirtschaften. Kommt es also in China beispielsweise zu Produktionsengpässen, werden diese auch schnell in Deutschland spürbar. Die schnelle Ausbreitung des Virus würde durch die Globalisierung ebenfalls beschleunigt. Aber zurück zu den Klima-Entwicklungen: In Summe wurde laut Carbon Monitor folglich im ersten Halbjahr rund 11,4 % weniger CO2 ausgestoßen als 2019. Weltweit beliefen sich die Einsparungen auf rund 6 %, wobei hier der Sektor Bodentransport die treibende Kraft war. Spannend ist hier, wie sich der deutsche Sektor sehr deutlich von der weltweiten Entwicklung unterscheidet. Zusammenfassend aus beiden Studien kann also gesagt werden, dass das Klima durchaus von der Pandemie profitiert hat.

Grafik zu CO2-Emissionen im Ländervergleich in 2020

Interessant ist an dieser Stelle auch der Blick auf die Einsparungen der einzelnen Länder im Vergleich. Dafür hat der Carbon Monitor ebenfalls eine Erhebung durchgeführt und diese abermals grafisch aufbereitet (Carbon Monitor, 2020). Der Studie folgend war Spanien im ersten Halbjahr 2020 der Spitzenreiter bei der Reduktion von CO2-Emissionen, gefolgt von den USA und Brasilien. Deutschland platziert sich knapp hinter Indien auf Rang 4. In Summe zeigt sich erfreulicherweise, dass das Klima bereits in den ersten beiden Quartalen merkbar von der Pandemie profitiert haben. An dieser Stelle möchte ich kurz betonen, dass mir sehr wohl bewusst ist, dass „profitieren“ im Kontext der Pandemie vielleicht eine schwierige Wortwahl ist. Ich weiß, dass mit der Pandemie auch sehr viel Leid verbunden ist. In diesem Beitrag werfen wir allerdings nur einen Blick auf die Auswirkungen für das Klima. Nebenstehend findet sich der Vergleich unterschiedlicher Länder.

Schauen wir vom großen Ganzen einmal in die eigenen vier Wände. Durch die anfangs erwähnten Umstellungen in der Arbeitswelt sind ebenfalls Effekte für den Klimaschutz ableitbar, wenngleich diese aktuell noch nicht umfänglich mit konkreten Zahlen belegbar sind. 

Home Office und papierloses Büro − wie Flexibilität und Digitalisierung unser Arbeiten revolutionieren

Für viele eine unfassbare Erleichterung, für andere wiederum eine echte Herausforderung. Das Home Office hat viele Veränderungen mit sich gebracht. Vor der Corona-Krise lag der Anteil der im Home Office arbeitenden Beschäftigten bei rund 4 %, während des ersten Lockdowns ist der Anteil schlagartig auf rund 27% gesprungen (Hans-Böckler-Stiftung, 2021). Im Laufe des restlichen Jahres hat sich der Anteil bei rund 16% im Schnitt gehalten. Erst durch den erneuten Lockdown zum Jahreswechsel stieg der Anteil wieder auf 24%. Hier hat die Pandemie also sicherlich den einen oder anderen Prozess in der Arbeitswelt beschleunigt, zumindest wenn es um die Themen mobiles Arbeiten und Home Office geht.

Kombinieren wir diese Zahl nun beispielsweise mit den Fahrten zum Betrieb und wieder zurück, so wurden durch die Arbeit vom heimischen Schreibtisch viele Emissionen eingespart. Ganz zu schweigen von der gewonnen Zeit, die wir nicht mehr in Staus oder auf Landstraßen verbracht haben. Natürlich muss an dieser Stelle auch eine Gegenrechnung erfolgen. Durch die Abwesenheit in den Bürogebäuden wurden dort Heiz- und Stromkosten sowie weitere Dinge eingespart, diese haben sich logischerweise in die Häuser und Wohnungen der Mitarbeitenden gelegt. Trotzdem bin ich mir sicher, dass die eingesparten Fahrten oder auch Flugreisen den gestiegenen Verbrauch im heimischen Büro übersteigen. Immerhin konnten im Vergleich 2019 zu 2020 mehr als 20 Millionen Flüge weltweit eingespart werden (Ascend, 2021). Die gezeigten Studien vermitteln ja auch ein ähnliches Bild. Mehr Informationen und genauere Zahlen zu den unterschiedlichen Verkehrsmitteln und deren Energiebilanz findet ihr in einem anderen Beitrag von mir.

Denken wir ans Home-Office, so vergessen wir oft einen nicht unwichtigen Punkt: den Papierverbrauch. Durch die Arbeit von zuhause oder unterwegs drucken wir deutlich weniger Dinge aus, wodurch wir derzeit sehr viel Papier einsparen. Natürlich steht und fällt die Einsparung auch hier mit dem persönlichen Verhalten. Generell habe ich bei mir selbst beispielsweise gemerkt, dass der Drucker im Büro eher zu einem Unbekannten geworden ist. Tatsächlich habe mich vor einiger Zeit gefragt, wo dieses komische Geräusch im Büro herkam – die Lösung: Ein Kollege hat einen Vertrag ausgedruckt. Für mich war es ein gutes Zeichen, dass ich mit den Geräuschen des Druckers nicht mehr allzu viel anfangen konnte.

In Summe zeigt sich also auch an dieser Stelle, dass die Pandemie wichtige Prozesse beschleunigt hat und durch Home-Office und papierloses Arbeiten wichtige Beiträge für den Klimaschutz von jeder Person eingebracht werden können. Viele sagen jetzt sicherlich: „Die ganzen Videokonferenzen verbrauchen auch nicht gerade wenig Ressourcen“, was nicht ganz falsch ist. Spannende Tipps bieten hier meine IT-Kollegen Carsten und Jan. Schaut gerne mal in deren Beitrag, um eure Energiebilanz am PC noch zu verbessern.

Es gibt also auch gute Dinge, die sich in der Pandemie gezeigt haben. Zur Wahrheit gehört aber immer auch die zweite Seite der Medaille. Diverse Punkte haben sich während der Pandemie negativ entwickelt. Welche das genau sind und warum wir jetzt handeln, und aktiven Klimaschutz betreiben müssen, erfahrt ihr in Teil 2 meines Beitrags.

Viele Grüße,
  • Nico Grieger
Nico Grieger
Nico Grieger
Referent Konzernkommunikation
Nach seiner Ausbildung bei EWE ist Nico in der Konzernkommunikation gestartet. Jeden Tag arbeitet er daran, dass EWE auch online mit passenden Websites präsent ist und gefunden wird. Schon seit langer Zeit befasst er sich mit den Themen richtige Kommunikation und Nachhaltigkeit. Neben seinen Aufgaben in der digitalen Kommunikation macht er ein Studium im Bereich Medienmanagement.  In seiner Freizeit ist Nico ein wahrer Musik-Enthusiast.
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