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Zuhause Energie sparen − 7 praktische Tipps 

12.05.2022 7 Min 20

In Zeiten des Klimawandels und stark steigender Energiepreise möchten viele im eigenen Haus Energie sparen. Das schont nicht nur den Geldbeutel, sondern wirkt sich auch positiv auf Klima und Umwelt aus. Wie du deinen Energieverbrauch im Alltag effektiv senken und Strom- sowie Heizkosten einsparen kannst, haben wir dir hier in 7 praktischen Tipps zusammengestellt.

Foto von einer Hand die einen Stecker in eine Steckdose steckt

7 Tipps zum Energiesparen im Haushalt

In deutschen Haushalten ist der Energiebedarf wenig überraschend hoch – für die Heizung, Warmwasserbereitung, zahlreiche elektrische Geräte und die Beleuchtung wird beispielsweise Energie benötigt. Dank effizienterer Technik und energetischer Sanierungen von Häusern ist der Endenergieverbrauch umgelegt auf die Wohnfläche zwischen 1990 und 2020 um 25,7 % zurückgegangen. Angesichts einer gleichzeitig steigenden Zahl von Haushalten mit weniger Personen und größeren Wohnflächen benötigten die Haushalte 2020 jedoch 1,1 % mehr Energie als noch 1990. 

© BMWK, Energieeffizienz in Zahlen 2021 Grafik zu den Anteilen der Anwendungsbereiche am Endenergieverbrauch der privaten Haushalte in 2008 und 2019

Im Jahr 2019 verbrauchten die privaten Haushalte insgesamt 2.425 Petajoule (PJ) Energie. Die größten Posten machten hier mit mehr als zwei Drittel die Heizenergie sowie mit 15,8 % die Warmwasserbereitung aus. Diese Bereiche bieten somit am meisten Einsparpotenzial. Folgende Tipps helfen dabei, überall im Haus Energie einzusparen:

Tipp 1: Energiesparend heizen

Um große Mengen Energie und Heizkosten einzusparen, lohnt sich häufig die komplette Sanierung der alten Heizungsanlage und Anschaffung einer energiesparenden Heizung am meisten. Großes Einsparpotenzial bietet zum Beispiel eine Wärmepumpe. Eine Wärmepumpe nimmt aus Wasser oder Luft Energie in Form von Wärme auf und verdichtet diese. Mithilfe eines Wärmetauschers wird diese Wärmeenergie an die Heizung des Hauses abgegeben und ein Kreislauf entsteht. Wärmepumpen sind platzsparend und relativ wartungsarm, sodass sich die Investition in vielerlei Hinsicht auszahlen kann.

Wer nicht sofort die komplette Heizung austauschen möchte, kann jedoch trotzdem mit einigen Tricks sparsamer heizen. Wichtig ist, die Heizung möglichst genau auf den Wärmebedarf der Bewohner und spezifischen Räume anzupassen – nachts sollten beispielsweise alle Heizkörper runtergedreht werden und auch tagsüber müssen sicherlich nicht alle Zimmer im Haus durchgehend angenehm warm sein. Reduzierst du die maximal gewünschte Temperatur in deinem Haus um nur 1 Grad, kannst du zudem bis zu 6 % an Kosten einsparen. Smarte Thermostate an den Heizkörpern ermöglichen es, für jeden Raum genau zu programmieren, wann wie viel geheizt werden soll.

Macht sich die Heizung häufig durch auffällig gluckernde Geräusche bemerkbar, befindet sich womöglich zu viel Luft in den Rohren. Das Entlüften der Heizkörper ist hier im wahrsten Sinne Gold wert, denn es sorgt für eine effizientere Heizleistung. Auch mit dämmenden Vorhängen und spezieller Wärmefolie hinter den Heizkörpern kannst du für einen besseren Verbleib der Wärme im Haus sorgen und so Heizenergie sparen.

Nicht zuletzt solltest du darauf achten, Türen zu unbeheizten Räumen stets geschlossen zu halten, und bei Bedarf die Türritzen abdichten. Auch beim Lüften geht viel Energie verloren: Statt ein Fenster lange Zeit offenstehen zu lassen, ist regelmäßiges Stoßlüften besser geeignet. Dadurch wird die Luft im Raum effektiv ausgetauscht, ohne dass du zum Fenster hinaus heizt. Gleichzeitig beugt Stoßlüften auch der Schimmelbildung im Haus vor. 

Tipp 2: Dach, Fassade und Fenster dämmen

Eine weitere recht große, aber dafür umso effektivere Maßnahme umfasst die Dämmung des Hauses. Sind Dach und Hauswände gut gedämmt, entweicht weniger Heizluft und dein Energieverbrauch verringert sich erheblich. Durch den Austausch der Fenster mit energieeffizienter Verglasung kann zusätzlich Energie eingespart werden. Eine solche Sanierung geht zwar mit Kosten einher – die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW)  bietet für solche Vorhaben aber attraktive Förderprogramme an. 

Tipp 3:  Warmwasser sparen

Die Warmwasserbereitung macht mit mehr als 15 % einen großen Teil des Energieverbrauchs deutscher Haushalte aus. Hier gilt: Weniger ist mehr. Wo Wasser, insbesondere Warmwasser, gespart werden kann, sorgt dies für einen geringeren Energieverbrauch. Anstatt regelmäßig zu baden, sollte zum Beispiel lieber geduscht werden. Unterstützung beim Wassersparen bieten sogenannte Durchflussbegrenzer. Im Duschkopf oder Wasserhahn montiert lassen diese weniger Wasser durchlaufen als gewöhnlich. Meist reicht eine reduzierte Menge vollkommen aus, sodass dadurch viel Wasser gespart werden kann. 

Tipp 4: Geräte energiesparend nutzen

Ob Fernseher, Router, Laptop, Ladegerät, Radio oder Kaffeemaschine – Geräte, die Tag und Nacht an der Steckdose hängen, entpuppen sich oft als richtige Stromfresser. Das trifft insbesondere auf Geräte zu, die abgeschaltet in den Standby-Modus übergehen, wie beispielsweise Fernseher. Dies kannst du in der Regel daran erkennen, dass noch irgendwo ein kleines Licht leuchtet. Langsam, aber stetig ziehen diese Stromfresser Tag für Tag Strom aus der Steckdose – das macht sich am Ende auf der Stromrechnung bemerkbar. Hier kann es helfen, öfter mal den Stecker aus der Steckdose zu ziehen – oder aber auf Verteilersteckdosen mit An- und Aus-Taste zurückzugreifen. Nach dem erfolgreichen Ladevorgang sollten die Ladegeräte ausgesteckt und Laptop und Handy außerhalb des Netzbetriebs genutzt werden.

Auch die Wahl der Geräte selbst bietet großes Potenzial zum Energiesparen: Beim Kauf eines neuen Fernsehers, Kühlschranks oder einer Waschmaschine lohnt sich der Blick auf die Energieeffizienzklasse. Seit 2021 gilt eine neue Skala: von A als energieeffizienteste Klassifizierung bis G als schlechteste. Die vorher bekannten Klassen A++ oder A+++ gibt es nicht mehr. Wenn möglich solltest du beim Neukauf also ein Gerät mit positiver Energieeffizienzklasse wählen.

Tipp 5: Stromsparend waschen und spülen

Waschmaschine und Geschirrspülmaschine verbrauchen sowohl Einiges an Wasser als auch Strom. Um hier zu sparen, gibt es folgende Tipps: Für beide Geräte gilt: Sie sollten möglichst im vollen Zustand genutzt werden. Wer bereits bei einer halben Beladung einen vollen Wasch- oder Spülgang startet, verschwendet Wasser und Energie. Weiteres Einsparpotenzial bieten ECO-Programme, die besonders sparsam vorgehen.

Je höher beim Waschen die Temperatur ist, desto mehr Energie wird verbraucht. Daher sollte Kleidung wenn möglich nur bei 40 oder 30 °C gewaschen werden – diese Temperatur reicht in den meisten Fällen aus, um Schmutz sicher zu entfernen. Weiteren Strom kannst du einsparen, wenn du die Wäsche anschließend an der Luft trocknest – und nicht energieintensiv und mit Kosten verbunden im Trockner.

Die meiste Kleidung lässt sich durch sorgfältiges Aufhängen und Zusammenlegen ganz faltenfrei bekommen. Ist dennoch der Einsatz des Bügeleisens nötig, kann dieses bereits einige Kleidungsstücke vor dem Ende ausgeschaltet und die restliche Kleidung mit der Restwärme gebügelt werden. 

Tipp 6: Strom sparen beim Kochen

Auch beim Kochen lässt sich der Energieverbrauch mit einigen Tricks reduzieren: Verwende beim Kochen oder Erhitzen von Speisen im Topf am besten immer einen Deckel – so geht möglichst wenig Hitze verloren und der Prozess verläuft deutlich schneller. Benötigst du kochendes Wasser, ist es tatsächlich energieeffizienter, dieses vorher im Wasserkocher aufzukochen und erst dann in den Topf zu geben. Und beim schnellen Aufwärmen von Speisen arbeitet die Mikrowelle deutlicher sparsamer als der Herd. Sowohl die Herdplatten als auch der Backofen können meist frühzeitig ausgeschaltet werden, um Energie zu sparen und sich die Restwärme zunutze zu machen. In den meisten Fällen kann der Backofen auch ohne Vorheizen genutzt werden. Das Umluft-Programm ermöglicht im Vergleich zu Ober- und Unterhitze zudem eine niedrigere Temperatur und die zeitgleiche Nutzung mehrerer Ebenen, was Energie einsparen kann.

Für Kühlschrank und Gefrierfach gilt: Regelmäßiges Abtauen verbessert die Energiebilanz. Ein Kühlschrank sollte darüber hinaus nicht zu kalt eingestellt werden – 7 °C reichen meist völlig aus. Je nach Lebensmittel und Kältebedarf können die verschiedenen Ebenen genutzt werden: Ganz oben, im Gemüsefach und in der Tür ist es am wärmsten, während die untersten Ebenen am kältesten sind. Beim Ein- oder Ausräumen des Kühlschranks sollte dieser jedes Mal schnell wieder geschlossen werden, damit nicht zu viel kalte Luft entweicht.

Tipp 7: Energiesparlampen nutzen

Auch die Beleuchtung unserer Wohnräume und des Eingangsbereichs verbraucht viel Strom. Statt alter Glühbirnen oder Halogenlampen, die richtige Stromfresser sind, sollte auf Energiesparlampen zurückgegriffen werden. Energiesparlampen senken den Energiebedarf im Vergleich zu anderen Leuchtmitteln erheblich. Auch bei Lampen gibt ein Blick auf die Energieeffizienzklasse beim Kauf Aufschluss über ihren Energieverbrauch.

Darüber hinaus sollten im Haus nur dort Lampen angebracht und genutzt werden, wo und wenn sie tatsächlich nötig sind. In selten genutzten Räumen und Durchgangszimmern lohnen sich genauso wie draußen womöglich Lampen mit Bewegungsmelder. Für bessere Lichtverhältnisse sollten alle Lampen zudem regelmäßig gereinigt und von Staub befreit werden. Helle Wände im Haus reflektieren besser als solche in dunklen Tönen – und sorgen für eine bessere Ausleuchtung. Im Garten bietet es sich an, Solarlampen zu verwenden, die sich tagsüber mit der erneuerbaren Energie der Sonne aufladen und diese nachts als Licht abgeben. 

Fazit: Energiesparen im Haus leicht gemacht

Mit diesen 7 Tipps fällt das Energiesparen im Haus gleich um Einiges leichter. Auch ich habe mich beim Zusammenstellen der Tipps selbst bei einigen schlechten Angewohnheiten erwischt – diese einfachen Handgriffe helfen jedoch dabei, in Zukunft weniger Energie zu verbrauchen und die Heizung und stromfressenden Geräte effizienter zu nutzen.

Denn: Wenn jeder Haushalt sich bemüht, seinen Energieverbrauch und die Heizkosten zu senken, kann in Deutschland ein reeller Unterschied gemacht werden. Und das kommt nicht nur dem eigenen Geldbeutel, sondern auch der Umwelt, dem Klima und unserem ganzen Land zugute.

Viele Grüße,
  • Tammo Gerdes
Tammo Gerdes
Tammo Gerdes
Inhouse Coach
Tammo Gerdes ist als Senior Manager und Inhouse-Coach immer wieder in neuen Projekten und mit den unterschiedlichsten Menschen unterwegs. Angetrieben durch ein großes Maß an Neugierde und mit viel Spaß an Zukunftsthemen, versucht er seinen Teil zur Verbesserung der (Um-)Welt zu leisten.
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Kommentare
2
Tammo 14:28 13.06.2022
Hallo Hayo, vielen Dank für Deine wertvollen Ergänzungen und Hinweise! Natürlich können wir so pauschal immer nur sehr allgemeine Tipps und Vorschläge zum Thema Energiesparen geben. Individuell sollte dann jeder einfach ausprobieren, wie eine Umsetzung gut in den Alltag integriert werden kann. Bei deinem Hinweis zum Einkaufen ist das wahrscheinlich je nach Haushalt sehr unterschiedlich. Familien mit mehreren Kindern haben evtl. einen höheren Durchlauf an verderblichen Lebensmitteln, als z. B. eine ältere alleinlebende Person. Toll wäre, wenn jeder trotzdem für seine Situation versucht - auch schon mit ersten kleinen Schritten - Energie zu sparen. Jeder Schritt hilft, dann entsteht insgesamt ein großer Effekt. Danke für’s Lesen und Kommentieren – und viel Spaß mit dem Klimablog!
Hayo Sieckmann 13:07 07.06.2022
7 °C im Kühlschrank können reichen, der Gedankenstrich/Bindestich davor kann aber auch missverstanden werden. Dann heißt es, was soll das denn, im Kühlschrank einfrieren oder ist das Gefrierfach gemeint. Grundsätzlich muss aber gelten, Milch nicht in die Tür stellen, wie es auf den Meisten Werbefotos zu sehen ist, denn Milch auch Aufschnitt, Fleisch und insbesondere Fisch sind die empfindlichsten Lebensmittel und haben daher bei hoher Temperatur eine deutlich kürzere Haltbarkeit, mit der Folge häufiger Einkaufen zu müssen. Dann ist die Frage, welche Strecke muss für den Einkauf zurückgelegt werden und mit welchem Fortbewegungsmittel wird sie zurückgelegt. Als Beispiel 5 km zum Supermarkt, macht 10 km die überwunden werden müssen, erfolgt das mit dem Auto sind gut 0, 5 l Treibstoff verbraucht, vermutlich sogar deutlich mehr, denn mit 5 l/100 km ist ein sehr sparsames Fahrzeug angenommen worden. Für den Benziner sind 4 kWh und den Diesel 5 kWh Treibstoffenergie verbraucht worden, tatsächlich aber etwa die doppelte Menge fossile Primärenergie. Wenn die Aussage stimmt, dass im EWE-Netz 95 % erneuerbarer Strom verteilt wird, scheint es mir angebracht, dass die 7 °C zu überdenken sind, vorausgesetzt die Einkauffahrten werden reduziert.
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