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Schon gewusst?

Atempause fürs Klima − gibt es eine positive Seite der Pandemie? (2/2)

17.05.2022 5 Min 14

Im ersten Teil meines Beitrags haben wir auf die positiven Entwicklungen für das Klima und die Umwelt geschaut. Sicherlich haben viele Menschen auch während der Pandemie nochmals verstärkt auf die eigene Wahrnehmung des Klimawandels geschaut und ein feineres Gespür für diese massive Herausforderung bekommen. Im zweiten Teil wollen wir nun also auf Auswirkungen und Entwicklungen schauen, welche die positiven Erfolge schmälern und sich negativ bemerkbar machen. Somit sollten wir nach beiden Teilen meines Beitrags eine gute und solide Antwort auf die Frage finden könne, ob die Pandemie letztlich wirklich eine Atempause fürs Klima war. Abschließend möchte ich die Wichtigkeit dieses Themas nochmals betonen und aufzeigen, warum wir alle gemeinsam nun mit vereinten Kräften an Lösungen für diese unfassbar große Herausforderung arbeiten müssen. Genug der Vorrede, schauen wir nun also auf die dunkle Klima-Seite der Pandemie.

Foto von einem Aufsteller mit der Aufschrift "Closed Covid-19"

Die Kehrseite der Medaille: Online-Shopping boomt

Es wäre auch zu schön gewesen, wenn das Klima die letzten zwei Jahre nur profitiert hätte. Es gibt auch unterschiedliche Punkte, die die gewonnen Einsparungen reduzieren. Sehr wahrscheinlich hatten viele einen der beiden Punkte aus der Überschrift bereits im Kopf – das Online-Shopping boomt und in der Pandemie-Zeit war dies sicherlich nicht anders. Wie hat sich also das Online-Bestellverhalten innerhalb der Pandemie verändert? idealo hat sich diese Frage ebenfalls gestellt und im Dezember 2020 rund 1.000 Personen aus allen Altersschichten befragen lassen. Dabei gaben rund 38 % an, in der Pandemie mehr Dinge online bestellt zu haben, 59 % haben bei sich kein anderes Bestellverhalten angegeben. Rund 4 % haben in der Tat weniger Dinge in der Pandemie online bestellt (idealo, 2020).

Die gleiche Frage zum Bestellverhalten hat auch Bitkom gestellt, allerdings im zweiten Pandemiejahr 2021. Die Befragten entstammen allen Altersgruppen ab 16 Jahren, befragt wurden im Oktober 2021 ebenfalls rund 1.000 Personen. Dabei lässt sich eine kleine Verschiebung in Richtung eines gestiegenen Konsums erkennen. Waren es 2020 noch rund 59 % mit gleichem Bestellverhalten, sind es im Oktober des Folgejahres nur noch rund 52 %. Gestiegen ist der Anteil an Personen, die ein höheres Bestellvolumen (zusammengefasst rund 43 %) bei sich erkannt haben

Grafik zum Online-Einkaufsverhalten in 2021

Denken wir an dieser Stelle das Online-Shopping einmal weiter. Die Pakete müssen verpackt und versendet werden, was zu mehr Transporten führt, was zu mehr Emissionen führt. Im schlimmsten Fall sind die bestellten Sachen beschädigt oder passen nicht. Dann gehen die gekauften Dinge zurück ins Paket und per Retoure wieder zum Verkäufer; das heißt weitere Transporte und noch mehr Emissionen. Wenn Pakete zurückgehen, ist das ärgerlich für uns. Noch viel ärgerlicher ist es für die Umwelt. Dabei ergibt sich aus den gestiegenen Bestellungen logischerweise auch ein gestiegenes Müllaufkommen – die bestellten Waren sind in Plastikfolien und sonstigen Schachteln und Hüllen verpackt. Eine bessere Überleitung hätte sich nicht finden lassen: springen wir also an dieser Stelle zum Thema Müllaufkommen.

Die Pandemie als aktiver Müllproduzent

Das genannte Bestellverhalten wirkt sich auch auf Menge an Haushaltabfällen pro Jahr aus. Dabei ist Online-Shopping jedoch nur ein kleiner Teil daran. Durch das Arbeiten von Zuhause fällt logischerweise mehr Müll an. Ebenfalls haben viele Menschen die heimischen Rückzugsorte saniert und renoviert etc. Waren es 2019 noch ca. 457 Kilogramm pro Einwohner in Deutschland, so stand das Aufkommen 2020 bei rund 476 Kilogramm (Statistisches Bundesamt, 2021). Rechnen wir doch einfach mal die Veränderung auf die deutsche Bevölkerung hoch. Bei ca. 82 Millionen Menschen sprechen wir hier von einem Mehraufkommen bei Haushaltabfällen von rund 1.6 Milliarden Kilogramm. Das ist nicht alles andere als wenig! Wenn es sich dabei um kompostierbare Abfälle handeln würde, dann wäre dies nur halb so schlimm (Tipps zum richtigen Kompostieren bekommt ihr von meiner Kollegin Annika). Leider befindet sich in diesen riesigen Massen auch Sondermüll wie beispielsweise Batterien, Glühbirnen oder ähnliches.

Dabei ist mir zum Punkt Müllvorkommen in letzter Zeit eine Sache extrem aufgefallen. Ich sehe immer mehr weggeworfene Masken auf den Straßen und in den Innenstädten. Und leider ist es oft der Fall, dass Masken zwar zuhause entsorgt werden – allerdings über die gelbe Tonne. Bei Masken handelt es sich um Restmüll – und dort sollten benutze Masken im besten Fall auch landen. So ist eine sichere Entsorgung wirklich gewährleistet. Werden Masken in der Öffentlichkeit entsorgt, so ist das nicht nur schädlich für die Umwelt, sondern auch für die Tierwelt; sie können sich in den Bändern verheddern und qualvoll verenden. Ebenfalls braucht es viele Jahre, bis sich die die Masken vollständig zersetzt haben, da sie aus Polyester und Polypropylen bestehen. Beides keine allzu nachhaltigen Materialen, wobei viele Unternehmen und Start-ups derzeit an Lösungen und Produkten arbeiten, die (fast) komplett aus recyceltem Plastik (Tipps zu Recycling und weniger Konsum findet ihr hier) bestehen.

War die Pandemie denn nun wirklich eine Atempause für das Klima?

Zusammenfassend kann diese Frage deutlich mit Ja beantwortet werden. Alle Studien (zumindest die meiner Recherche) sprechen hier ein klares Bild. In Deutschland und der Welt ist der Ausstoß an Treibhausgasen merklich zurückgegangen, eingesparte Fahrten mit dem Auto und auch entfallene Flüge haben einen deutlichen Anteil daran. Gerade durch die Shutdowns wurde viel Energie eingespart (und so auch Emissionen), vor allem auch in der Industrie. Somit können wir schon festhalten, dass die Lockdowns in der Welt einen sichtbaren Beitrag (fern ab von persönlichen Schicksalen) zum Klimaschutz geleistet haben. Gleichzeitig gibt es aber auch negative Entwicklungen für die Umwelt durch die Pandemie. Hier ist jeder und jede von uns gefragt, seinen eigenen Beitrag zu hinterfragen und dort zu optimieren, wo es möglich ist. Tipps und Tricks dafür finden sich in weiteren Beiträgen hier auf dem Klimablog.

Wichtig ist, dass wir jetzt endlich gemeinsam und schnell aktiven Klimaschutz leisten!

Wichtig ist nun, dass die Erkenntnisse und Entwicklungen nach zwei Jahren Pandemie nicht stagnieren oder gar zurückgehen. Wir müssen jetzt nachhaltige Lösungen für das Klima finden und dabei sicherlich auch unser eigenes Verhalten kritisch hinterfragen. Sollten wir in den nächsten Monaten/Jahren nicht handeln und massiv nachsteuern, dann stehen wir vor katastrophalen Schäden. Und die leidtragenden sind die noch folgenden Generationen. Unser aller Ziel muss es sein, dass in den nächsten Jahrzehnten noch ein Planet vorherrscht, auf dem wir leben können. Dabei darf der erste Blick auf nicht immer auf die Wirtschaf und geldliche Aspekte gehen. Wenn wir die Erderwärmung nicht in Grenzen halten, dann gibt es irgendwann keine Wirtschaft mehr, da die Menschheit dann deutlich schlimmere Probleme als ein nicht ganz so starkes Bruttoninlandsprodukt wie im Vorjahr hat. Ich habe mal in einer Talkshow eine Phrase aufgeschnappt, die ich sehr passend finde: „Versuchen Sie doch einmal ihr Geld zu zählen, während Sie die Luft anhalten“. Und das bringt den Ernst der Lage sehr gut zum Ausdruck! An erster Stelle sollte unser aller (Über)Leben stehen, nicht wirtschaftliche Interessen. Gemeinsam können wir viel erreichen, wenn jeder und jede bei sich anfängt. Kleine Beiträge ergeben in Summe unfassbare Möglichkeiten und Auswirkungen! Fangen wir jetzt mit voller Kraft an, nicht erst in ein paar Jahren.

Viele Grüße,
  • Nico Grieger
Nico Grieger
Nico Grieger
Referent Konzernkommunikation
Nach seiner Ausbildung bei EWE ist Nico in der Konzernkommunikation gestartet. Jeden Tag arbeitet er daran, dass EWE auch online mit passenden Websites präsent ist und gefunden wird. Schon seit langer Zeit befasst er sich mit den Themen richtige Kommunikation und Nachhaltigkeit. Neben seinen Aufgaben in der digitalen Kommunikation macht er ein Studium im Bereich Medienmanagement.  In seiner Freizeit ist Nico ein wahrer Musik-Enthusiast.
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