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Welche Energiegewinnung ist gut für das Klima?

24.05.2022 4 Min 12

Viele Jahrzehnte lang dominierten in Deutschland konventionelle Methoden der Energiegewinnung mit fossilen Brennstoffen wie Kohle, Erdgas und Erdöl. Diese sind jedoch mit einem hohen Treibhausgasausstoß verknüpft und somit hochgradig klimaschädlich. Seit den 1960er-Jahren zählte zudem die Kernenergie zu den wichtigsten Energieträgern – sie verursacht zwar im Betrieb keine Treibhausgase, stellt aufgrund des entstehenden radioaktiven Abfalls allerdings ein großes Umweltrisiko dar.

Aus diesem Grund soll im Zuge der Energiewende in Deutschland eine Abkehr von fossilen und nuklearen Brennstoffen stattfinden. Stattdessen soll die Energiegewinnung mithilfe von erneuerbaren Energien so klimafreundlich wie möglich gestaltet werden. Doch wie sieht die Klimabilanz der regenerativen Energien aus und welche von ihnen sind tatsächlich gut für das Klima?

Foto von Windkraftanlagen im Sonnenuntergang

Klimafreundliche Energiegewinnung

Die Energiewirtschaft zeichnete 2019 für den Ausstoß von 249,7 Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten verantwortlich – und damit mehr als jeder andere Sektor. Bei der Energiegewinnung besteht somit weiterhin großes Potenzial, durch den Umstieg auf alternative Energieträger Treibhausgase einzusparen.

Zu den wichtigsten erneuerbaren Energieträgern  in Deutschland zählen Windkraft an Land und auf See, Wasserkraft, Sonnenenergie, Geothermie und Biomasse. Das Besondere an ihnen ist, dass sie zum einen erneuerbar sind und, anders als Erdöl, Erdgas oder Kohle, quasi unerschöpflich zur Nutzung zur Verfügung stehen oder ihre Rohstoffe nachwachsen können. Zum anderen entstehen bei der Energiegewinnung in Windkraft-, Photovoltaikanlagen oder Wasserkraftwerken keinerlei Treibhausgasemissionen. Eine kleine Ausnahme stellt Biomasse dar, bei der je nach Art und Verarbeitung auch während der Energieerzeugung geringe Mengen Treibhausgase entstehen können, die beispielsweise zuvor von den zugrunde liegenden Pflanzen gespeichert wurden.

Doch wie sieht die CO2-Bilanz der erneuerbaren Energien tatsächlich aus?

CO2-Bilanz der erneuerbaren Energien

Vollständig klimaneutral gelingt auch die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien nicht: Neben der emissionsfreien Energiegewinnung der Anlagen müssen auch die Vorkettenemissionen sowie fremdbezogene Hilfsenergie für den Betrieb in Betracht gezogen werden, die sich schädlich auf das Klima auswirken. Zu den Vorkettenemissionen gehören beispielsweise Treibhausgase, die bei der Herstellung, dem Transport und der Installation von Windkraft-, Photovoltaik-, Biomasseanlagen und Wasserkraftwerken ausgestoßen werden.

Eine umfassende Emissionsbilanz des Umweltbundesamts von 2021 ermittelte für die verschiedenen erneuerbaren Energieträger den Ausstoß von CO2-Äquivalenten pro erzeugter Kilowattstunde Strom im Jahre 2020. Unter Berücksichtigung der Vorkettenemissionen, fremdbezogener Hilfsenergie und, im Falle von Biomasse, der direkten Emissionen ergeben sich dabei folgende CO2-Äquivalente:

  • Photovoltaik: 56,14 g/kWh
  • Windkraft an Land: 17,78 g/kWh
  • Windkraft auf See: 9,72 g/kWh
  • Wasserkraft: Laufwasser: 2,65 g/kWh und (Pump-)Speicherwasser: 22,64 g/kWh
  • Feste Biomasse (je nach Art und Kraftwerk): zwischen 6,89 und 50,42 g/kWh
  • Flüssige Biomasse (je nach Pflanzenöl und Kraftwerk): zwischen 7,04 und 150,34 g/kWh

Diese Werte zeigen, dass auch die Energiegewinnung aus erneuerbaren Energieträgern nicht vollständig klimaneutral abläuft und zwischen den einzelnen Energiequellen durchaus Unterschiede bestehen. 

Vermeidung von Treibhausgasen durch erneuerbare Energien

Neben der Erzeugung von Treibhausgasen können durch die Nutzung erneuerbarer Energiequellen allerdings auch zahlreiche Emissionen vermieden werden: Der steigende Anteil erneuerbarer Energien an der Energiewirtschaft und Stromerzeugung in Deutschland verdrängt nach und nach konventionelle Energieträger und damit klimaschädliche fossile Brennstoffe wie Erdöl oder Erdgas. 

Grafik zu vermiedenen Treibhausgas-Emissionen durch die Nutzung erneuerbarer Energien im Stromsektor_Mai 2022_948x476
Grafik zur Vermeidung von Treibhausgasemissionen durch erneuerbare Energien in 2020 nach Energieträgern_Mai 2022_948x478

In die CO2-Bilanz der erneuerbaren Energien kann somit auch die Vermeidung von Emissionen durch den Ersatz dieser Brennstoffe mit einfließen. Am meisten Treibhausgase werden aufgrund der guten Ausbausituation in Deutschland derzeit durch Windenergie vermieden. Die Zahlen zur Vermeidung von Emissionen des Umweltbundesamts für das Jahr 2020 sahen folgendermaßen aus:

  • Windenergie an Land: 79 Mio. Tonnen CO2-Äquivalente
  • Photovoltaik: 33 Mio. Tonnen CO2-Äquivalente
  • Windenergie auf See: 21 Mio. Tonnen CO2-Äquivalente
  • Wasserkraft: 15 Mio. Tonnen CO2-Äquivalente
  • Verstromung von Biogas: 14 Mio. Tonnen CO2-Äquivalente

Wiegt man die Vorkettenemissionen und die Vermeidung von Treibhausgasen der erneuerbaren Energien gegeneinander auf, ergibt sich nach den Daten des Umweltbundesamts für alle erneuerbaren Energiequellen eine überaus positive Bilanz.

Unter den bedeutsamsten regenerativen Energieträgern schneidet die Wasserkraft am besten ab – dicht gefolgt von der Windkraft und fester Biomasse. 

Fazit

Mit Blick auf die Frage, welche Energiegewinnung gut für das Klima ist, lässt sich wenig überraschend feststellen, dass erneuerbare Energien eindeutig klimafreundlich sind. Zwar gehen auch sie durch die Vorkette und benötigte Hilfsenergie mit einigen Emissionen einher – diese amortisieren sie durch ihren emissionsfreien Betrieb jedoch schnell wieder. Darüber hinaus tragen die erneuerbaren Energieträger mit zunehmendem Ausbau dazu bei, dass klimaschädliche Arten der Energiegewinnung mit fossilen Brennstoffen ersetzt und große Mengen Treibhausgase vermieden werden.

Die individuelle CO2-Bilanz der Energieträger weist Wasserkraft und Windenergie als besonders klimafreundlich aus. Doch auch Photovoltaik, Biomasse und die restlichen regenerativen Energiequellen tragen zur Vermeidung von Treibhausgasen bei. Welche Art der Energiegewinnung am besten für das Klima ist, hängt von der konkreten Situation und weiteren Faktoren ab: Wer soll mit Energie versorgt werden, welche Standortbedingungen gibt es vor Ort, welche Art von Kraftwerk eignet sich am besten, wie gut ist das Stromnetz ausgebaut und wie weit kann die erzeugte Energie transportiert werden?

Geht es um die Energiegewinnung zur Versorgung eines großen Unternehmens oder einer Stadt, sind große Kraftwerke mit Sicherheit am besten geeignet. Möchtest du jedoch als Privatperson verstärkt auf erneuerbare Energie setzen, sind beispielsweise Photovoltaikanlagen auf dem eigenen Hausdach eine gute Möglichkeit, den Eigenverbrauch zu bestreiten und das Klima zu schonen. 

Viele Grüße,
  • Annika Schwarzer
Annika Schwarzer
Annika Schwarzer
Mitarbeiterin Konzernkommunikation
Nachdem Annika ihre Ausbildung zur Bankkauffrau abgeschlossen hatte, entschied sie sich dazu ihrem Interesse für Kommunikation nachzugehen, indem sie ein duales Studium (B.A.) bei EWE begann. Seit dem erfolgreichen Abschluss dieses Studiums arbeitet Annika in der Konzernkommunikation und beschäftigt sich dabei unter anderem mit den Websites des EWE Konzerns wie auch diesem Klimablog. Annika setzt sich seit ihrem Studium vermehrt mit Themen zum Klimaschutz und zur Nachhaltigkeit auseinander und versucht seither täglich einen eigenen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten.
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