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Korallenbleiche - ein sterbendes Ökosystem

21.06.2022 6 Min 12

Korallen bilden eines der wichtigsten Ökosysteme und sind wahre Helden der Ozeane. Durch den Klimawandel steht es allerdings sehr schlecht um die Koralle – die Korallenbleiche breitet sich deutlich schneller was. Ich habe geschaut, wo die Ursachen liegen und welche Auswirkungen diese Entwicklung hat.

Sie sind eines der schönsten und wichtigsten Ökosysteme unseres Planeten – Korallen. In bunten Farben und unterschiedlichen Formen bieten sie einen Lebensraum für unzählige Fische und Meerestiere. Dabei übernehmen Korallen unfassbar wichtige Funktionen für die Umwelt. Grund genug, sich einmal genauer mit diesem Wunderwerk der Natur zu befassen. Leider ist die Situation der Korallen alles andere als erfreulich. Die spürbaren Veränderungen des Klimas führen zu einem Massensterben diverser Korallenarten und so zu einem Ungleichgewicht in den Weltmeeren. Oftmals sterben Korallen durch die so genannte Korallenbleiche. Ein abstrakter Begriff, daher schauen wir doch einmal genauer drauf.

Korallenbleiche

Was bedeutet Korallenbleiche eigentlich?

Wie der Name schon verrät, verlieren Korallen durch die Korallenbleiche ihre Farbpracht. Sie wirken blass und erschöpft. Doch vorab sei kurz erklärt, was Korallen eigentlich sind. Dabei handelt es sich um einen lebenden Organismus, der zu der Familie der Nesseltiere gehört. Gemeinsam mit kleinen Einzellern, den Zooxanthellen (ein paar Fachbegriff sind notwendig, sorry) siedeln sich Korallen meist auf dem Grund oder auf Kalkfelsen an. Diese kleinen Organismen stehen in einem direkten Stoffwechsel mit den Polypen der Koralle. Durch dieses Zusammenspiel entstehen riesige Korallenfarmen wie wir sie beispielsweise aus dem Great Barrier Reef in Australien kennen, wo allein bereits über 560 Korallenarten leben. 

Damit Korallen sich ausbreiten und wachsen können, benötigen sie konstante Gegebenheiten in ihrer Umgebung. Klassische Faktoren sind hier Licht, Temperatur und die angesprochenen Zooxanthellen, die für die Färbung der Koralle verantwortlich sind. Ändern sich diese Umstände über einen längeren Zeitraum, so wirkt sich dies auch auf die Korallen aus: oftmals eben in Form der Korallenbleiche, also dem Farbverlust. Im schlimmsten Fall stirbt die ausgebleichte Koralle, teilweise betrifft dieses Sterben dann ganze Korallenriffe.

 

Wie läuft dieser Bleichprozess ab?

Bunte Koralle
Atemberaubend – die Farben der Koralle entstehen durch die Zooxanthellen. Werden diese abgestoßen, kommt es zur Korallenbleiche.

Im Folgenden möchte ich euch kurz den biologischen Prozess hinter der Korallenbleiche beschreiben. Ich versuche, möglichst auf Fachbegriffe zu verzichten – versprochen! Eine Kernrolle bei diesem Prozess haben die bereits angesprochenen Zooxanthellen, welche dank Photosynthese auf und mit der Koralle leben und diese entsprechend mit Nährstoffen wie Glukose oder Aminosäuren versorgen. So kann sich die Koralle weiter ausbreiten und wachsen. Natürlich nehmen Korallenfarmen auch durch die Filterung von Algen einen Teil der Nahrung auf, jedoch kann dieser im niedrigen zweistelligen Bereich liegen (hier wird vom Riffparadoxon gesprochen, aber das ist ein anderes Thema). Im gleichen Atemzug beseitigen die kleinen Einzeller viele Schadstoffe aus den Polypen der Korallen, ähnlich wie ein Staubwischer den Staub vom Sideboard im Wohnzimmer entfernt. 

Dabei ist die Verbindung  aus Koralle und Zooxanthellen sehr anfällig für Veränderungen in ihrer Umwelt. Ändert sich hier etwas, kommt es innerhalb der Koralle zu oxidativem Stress. Dieser wiederrum hat eine toxische Auswirkung auf die Zooxanthellen. Als Resultat stoßen die Korallen die Einzeller ab und bleichen aus. Allerdings können sich die Korallenfelder auch wieder erholen, wenn die Dinoflagellaten oder Diatomeen (Arten von Zooxanthellen) innerhalb von rund acht Wochen (abhängig von der Gattung) zurückkommen und die trüben Riffe erneut bewohnen. Oftmals ändert sich ihre Farbe durch die Bleiche nicht in ein Kalkweiß, sondern in pastellartige Töne. Grund hierfür sind Proteine in der Koralle. Wo liegen denn nun die Ursachen für das Entstehen von Korallenbleiche? Diese Frage beleuchten wir im nächsten Abschnitt. Ein paar Fachbegriffe mussten hier leider sein, nochmals sorry an dieser Stelle.

Ursachen für Korallenbleiche – Veränderung ist nicht immer gut
Korallenbleiche
Eigentlich ein Paradies – bei den Malediven denken viele an tropische Strände. Unter Wasser zeigt sich jedoch ein trauriges Bild.

Sicherlich könnt ihr euch schon denken, was wohl eine der Hauptursachen für das Entstehen dieses negativen Phänomens ist: der Klimawandel (Überraschung!). Durch die Erwärmung auf der Erde werden logischerweise auch die Ozeane immer wärmer. So lag im Jahr 2021 die durchschnittliche globale Wassertemperatur rund 0,62 °C über dem Vergleichszeitraum von 1951 bis 1980 (Quelle: NASA). Ebenfalls verdeutlicht ein Blick auf die Temperaturen der letzten Jahre, in welche Richtung sich das Klima wohl entwickelt. Seit Beginn der Wetteraufzeichnung liegen die fünf heißesten Jahre im Zeitraum 2015 bis 2020 (Wer hätte das nur erwartet). Durch die deutlich wärmeren Gewässer kommt es ebenfalls zu einer Versauerung der Meere. Konkret meint dies, dass der pH-Wert des Meereswassers abnimmt, was wiederrum zu einem höheren Säuregehalt führt. 

Die Ozeane nehmen aktuell deutlich mehr Kohlenstoffdioxid aus der Luft auf. Dabei findet eine chemische Reaktion statt, in der aus CO2 und Wasser Kohlensäure entsteht. Das Wasser wird allerdings nicht sauer, es wird nur weniger basisch. Und auch hier sollte bereits klar sein, dass die erhöhte Aufnahme von Kohlenstoffdioxid wohl mit dem fortschreitenden Klimawandel zusammenhängt. 

Zwei sehr  bekannte Ereignisse rund um das Thema Korallenbleiche sind das Sterben der Korallenriffe im Great Barrier Reef in Australien sowie dem großflächigen Ausbleichen während der El-Niño-Phase 1998 (Phase, in der ungewöhnliche und nicht zyklische Meeresströmungen im Pazifik auftreten) rund um die Malediven. Dabei haben rund 98 % der dortigen Korallen ihre Farbe verloren. Grund war eine monatelange Erhöhung der Wassertemperatur um 1 bis 3 °C. Es zeigt sich also relativ klar, dass diese Riffe nicht sonderlich gut mit Veränderungen umgehen können. Dabei sind die Folgen durch die Korallenbleiche fatal für uns alle. Blicken wir also gemeinsam drauf, was das Ausbleichen und Sterben von Korallenfeldern für und bedeutet.

Die Folgen der Korallenbleiche – Natur und Wirtschaft leiden gemeinsam

Um die Folgen besser zu verstehen, möchte ich vorab nochmal die Funktionen von Korallenfeldern nennen. Sie sind neben einem Wasserfilter und Gleichgewichtsanker für ihre Umgebung auch Nahrungsquelle und Lebensfundament für unzählige Meeresbewohner, ob Fische, Oktopusse, Krabben oder weitere. Unfassbar viele Wassertiere leben innerhalb der Korallenriffe; für sie ist der Fortbestand der bunten Organismen essenziell für das eigene Überleben.

Sterben die Korallen nun großflächig ab oder sogar aus, ist dies eine riesige Katastrophe. Ganze Ökosysteme und Nahrungsketten können zusammenbrechen. So verschwinden dutzende Tierarten aus unserer Umwelt und die Weltmeere verlieren eine bunte und atemberaubende Welt. Aber damit nicht genug, auch auf unser menschliches Dasein wirkt sich die Korallenbleiche spürbar aus. Die Artenvielfalt geht zurück, Fischer haben deutlich geringere Fangmengen und im Sommerurlaub ist nichts mehr mit Korallentauchen vor der Küste. Für viele von unseren Urlaubsregionen ist der Tauchtourismus eine der wichtigsten Einkommensquellen. Und gleichzeitig werden auch Überschwemmungen an Land zunehmen, da die Korallen Wellen sonst zu einem gewissen Teil abfangen. Dies soll nur ein kleiner Einblick sein, was ohne Korallenriffe so alles passieren kann. Dabei gibt es aber noch deutlich mehr negative Auswirkungen.

Eine positive Info zum Schluss
Künstliche Gitter unter Wasser auf denen neue Riffe entstehen können
Künstliche Hilfe – durch die BioRock-Technologie können Korallen nachhaltig geschützt werden. Erste Versuche wirken sehr vielversprechend.

Korallenriffe  können sich bei einem Befall von Bleiche auch wieder erholen. Dies dauert allerdings mehrere Jahre, wenn nicht sogar Jahrzehnte und ist äußert kompliziert. Kommt es während der Regenerationszeit zu einer erneuten Korallenbleiche oder einer anderen Störung der notwendigen Konstanten, so ist das Riff verloren und die Korallen sterben. Durch den mittlerweile spürbaren Klimawandel ist diese Annahme leider mehr als unrealistisch. Es braucht also andere Wege und Möglichkeiten, die Korallen nachhaltig zu schützen bzw. einen Beitrag zu leisten. Neben dem offensichtlichen Klimaschutz ist auch die Biorock-Technologie sehr vielversprechend, welche von der Global Coral Reef Alliance verwendet wird. Dabei entsteht ein künstlicher Unterbau für Riffe, auf dem sich Korallen bilden können. Chemische Reaktionen begünstigen die Ansiedlung. Auch das Begründen von Nationalparks ist hilfreich.

Mein persönliches Fazit

Während meiner Recherche zu diesem spannenden Thema habe ich ein ganz neues Bild von Korallenriffen bekommen. Sie sind unfassbar wichtig für unser tägliches Leben und der Verlust dieser ganz besonderen Farbwelten hätte drastische Folgen für uns alle. Daher ist es nun doppelt wichtig, dass wir sofort mit aktivem Klimaschutz beginnen. Jeder und jede kann direkt bei sich anfangen. Es braucht auch zum Start nicht direkt die Photovoltaik-Anlage auf dem Dach oder das Wasserstoff-Auto in der Einfahrt. Kleine Anpassungen sind schon wertvoll. Wichtig ist nur, dass wir jetzt anfangen. Nicht morgen, nicht nächste Woche und erst recht nicht nächstes Jahr – nur jetzt können wir den Kurs noch einigermaßen korrigieren und wenigstens die ganz schlimme Katastrophe verhindern!

Viele Grüße,
  • Nico Grieger
Nico Grieger
Nico Grieger
Referent Konzernkommunikation
Nach seiner Ausbildung bei EWE ist Nico in der Konzernkommunikation gestartet. Jeden Tag arbeitet er daran, dass EWE auch online mit passenden Websites präsent ist und gefunden wird. Schon seit langer Zeit befasst er sich mit den Themen richtige Kommunikation und Nachhaltigkeit. Neben seinen Aufgaben in der digitalen Kommunikation macht er ein Studium im Bereich Medienmanagement.  In seiner Freizeit ist Nico ein wahrer Musik-Enthusiast.
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