Vorheriger Artikel:
5 Fragen, 5 Antworten: Wie funktioniert eine Wärmepumpe?
Nächster Artikel:
Bienensterben − eine summende Katastrophe

Aktionen

Nachhaltiges Reisen – Warum es mehr bedeutet als weniger zu fliegen

30.06.2022 4 Min 17

Wir integrieren die Nachhaltigkeit immer mehr in unseren Alltag. Hierfür gibt es auch tolle Beiträge hier auf dem Klimablog. Doch wie kriege ich meinen Urlaub, meine Auszeit vom Alltag, ebenso nachhaltiger hin?

Diesen Klimablogbeitrag schreibe ich gerade bei 28 Grad, im Büro. Die Urlaubszeit steht bevor, die Ersten sind schon weg und ich habe heute schon mehrere Male Sätze gehört wie „noch drei Wochen bis zum Urlaub“ oder „man jetzt wäre ich gerne irgendwo am Strand in der Sonne“. Ein Wunsch, den jeder gut nachvollziehen kann. Deshalb ist es ein optimaler Zeitpunkt, um auch einmal Nachhaltigkeit aus unserem Alltag zu lösen und auf unseren Urlaub zu beziehen. Denn mit dem heutigen Trend der Flugscham ist das Thema des nachhaltigen Reisens größer geworden. Doch es bedeutet viel mehr als weniger zu fliegen.

Schatten eines Flugzeuges über einer Insel

Nachhaltigkeit beginnt beim Buchen

Die größten Einflüsse für einen nachhaltigen Urlaub hat man nicht bei der Reise selbst, sondern bereits deutlich im Vorhinein bei der Buchung. Grundsätzlich ist es die simpelste mathematische Formel der Welt. Je weiter ich fliege, desto mehr belaste ich die Umwelt. Doch was kann ich darüber hinaus beachten?

Auf der Suche nach einer Unterkunft sind die Kriterien bei den meisten Urlaubenden gleich: Preis, Lage, Luxus. Der Punkt Nachhaltigkeit kommt hier oft zu kurz. Doch auch wenn ich hier auf Nachhaltigkeit achten möchte, ist es schwierig Indizien zu finden. Abhilfe schaffen können Nachhaltigkeitssiegel. In Deutschland hier führend ist GreenSign. Ist ein Hotel von GreenSign zertifiziert (über 270 Hotels in Europa) erfüllt das jeweilige Hotel die Standards der Nachhaltigkeit. Mehr Infos unter: https://www.greensign.de/.

Soziale Nachhaltigkeit ist wichtig

Doch fernab von der Nachhaltigkeit im Bezug auf das Klima vergessen viele einen sehr wichtigen Punkt der Nachhaltigkeit: die soziale Nachhaltigkeit. Für viele ist ein entspannter Urlaub klar: Pauschalreise, Hotel am Strand mit Pool, Sonne, All-Inclusive. Doch was bedeutet All-Inclusive eigentlich? Man kriegt den ganzen Tag über Essen und Getränke im Hotel und zahlt nur einmal einen Festpreis. Doch habt ihr euch schonmal die Frage gestellt: Wer leidet unter All-Inclusive? Es sind die umstehenden kleinen Restaurants in den Touristenorten. Sobald die Touristen ihr Hotel kaum verlassen und auch nicht außerhalb etwas Essen, haben die kleinen Läden und Restaurants keine Einnahmen.

Dabei spiegeln sie die Kultur des Landes, der Region oder des Ortes wider, für den ihr viele Stunden und einiges an Geld in die Hand nehmt, um eure wenigen freien Tagen dort zu verbringen. Also gebt doch etwas zurück, geht einfach mal in das nächste Örtchen oder esst auch hier hin und wieder. Ich kann aus eigener Erfahrung berichten, dass die wirklich hängen gebliebenen Mahlzeiten und auch Erlebnisse aus Urlauben oftmals mit den kleinen regionalen Läden und vor allem Restaurants zu tun haben. Ob das Durchprobieren von Vorspeiseköstlichkeiten bei einem griechischen Pfarrer, ein arabisches Buffet in einer Zeltstadt in der Wüste oder aber auch ein Tomate-Mozzarella-Handbrot an der Strandpromenade von Warnemünde, es fühlte sich viel mehr nach anderer Umgebung und Freiheit an, als das Hotelbuffet. Hier warten einheimische Bräuche, lokale Spezialitäten und oftmals auch vor Ort lebende Menschen, die euch gerne mit einem Lächeln euer Kulturerlebnis näherbringen.

Egal wo ich bin – Anstand ist nachhaltig

Vorweg: Es ist traurig, dass dieser Absatz überhaupt geschrieben werden muss. Aber bei vielen Menschen heißt Urlaub „hier kennt mich keiner, ich habe frei, ist mir doch egal, wie ich mich hier benehme“. Dabei ist es doch so einfach: Egal wann ich wo bin, wenn ich meinen Anstand nicht Zuhause lasse, dann tue ich allen etwas Gutes. Mir, meinem Umfeld, der Umwelt. Es ist gar nicht so schwer Müll in einen Mülleimer zu werfen, Klimaanlagen nur anzumachen, wenn ich sie brauche oder mir nur so viel Essen auf den Teller zu packen, wie ich auch Essen kann − das macht man ja sonst auch 7 Tage die Woche. Handhabt einfach die Sachen so, wie ihr sie Zuhause auch machen würdet.

Man kann auch klein anfangen

Der Klassiker „Kleinvieh macht auch Mist“ funktioniert natürlich auch, wenn man ohne große Veränderungen trotzdem seine Reise etwas nachhaltiger gestalten will. Viele kleine Optimierungen hierzu bietet die Digitalisierung. Muss ich wirklich jede Reiseunterlage ausdrucken? Brauche ich für jeden Urlaub neue Straßenkarten und Reiseplaner oder kann ich nicht einfach praktische Apps mir herunterladen. Ebenso mit Tickets für die öffentlichen Verkehrsmittel. Auch wenn in einigen Punkte Misstrauen gegen die Bahn etc. herrscht: Allein die App der Deutschen Bahn ist echt super einfach und übersichtlich.

Es lohnt sich immer zu fragen – Was muss sein und wofür kann ich eine Alternative finden? Aber das sollte im Alltag schon ein guter Ansatz sein.

Was abschließend zu sagen bleibt

Urlaub ist die Zeit, auf die man sich freut, die man sich gönnt. Deshalb bin ich persönlich auch der Meinung, dass man sich Wünsche oder Träume erfüllen sollte, auch wenn man dafür fliegen muss. Natürlich ist es nicht das nachhaltigste für die Umwelt, aber solange ich mir Fragen stelle, wie ich alles rundherum nachhaltiger gestalten kann und meinen Alltag auch dem anpasse, kann ich schon viel bewegen.

Aber die Erfüllung eines Traumes kann die vermutlich wichtigste Nachhaltigkeit stärken – die Nachhaltigkeit von dir selbst, ob psychisch oder auch physisch.

Viele Grüße,
  • Lennart Kranenberg
Lennart Kranenberg
Lennart Kranenberg
Mitarbeiter Konzernkommunikation
Lennart ist Mitarbeiter der Konzernkommunikation, Masterstudent in Sportbusinessmanagement und am Wochenende trifft man ihn als Datenerfasser im Fußballstadion an. Durch diese Kombination bekommt Lennart auf das Thema Nachhaltigkeit viele Perspektiven: Ob Nachhaltigkeit im Bereich der Energie, Nachhaltigkeit im Profisport oder auch wie man im Studium optimal und nachhaltig ans Ziel kommt, das Thema verfolgt ihn stetig. Auch in seiner Freizeit treibt ihn die Leidenschaft zum Sport auf sämtliche Sportplätze und Stadien in Norddeutschland.  
Zu den Bloggern
Kommentare
2
Lennart 13:47 30.06.2022
Danke dir für dein Feedback Maria!
Maria 13:32 30.06.2022
Danke, ein guter Impuls über die Art und Weise des eigenen Reisens nachzudenken. Man ist immer ein wenig verlockt, die Reisezeit als Ausnahme vom sonstigen Alltag zu betrachten. Und danke für den Greensign-Tipp, die Seite war mir neu.
Verfasse einen Kommentar

Bevor wir deinen Beitrag veröffentlichen, schicken wir dir eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Bitte schaue in deine Mails und klicke den Link an. Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

* Pflichtfelder
5 Fragen, 5 Antworten: Wie funktioniert eine Wärmepumpe?
Vorheriger Artikel: 5 Fragen, 5 Antworten: Wie funktioniert eine Wärmepumpe?
Bienensterben − eine summende Katastrophe
Nächster Artikel: Bienensterben − eine summende Katastrophe